Kurz vor dem Höhepunkt des Straßenkarnevals sorgt eine Themenentscheidung in Köln für Aufmerksamkeit.
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Der Kölner Karneval setzt auch 2026 auf scharfe politische Satire. Internationale Konflikte und innenpolitische Spannungen werden auf den Motivwagen aufgegriffen.
Ein Thema jedoch fehlt in diesem Jahr bewusst: Ein Wagen mit Bezug zu Russlands Präsident Wladimir Putin wird es nicht geben.
Politische Bühne
Wie der Spiegel unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet,, verteidigt die Kölner Zugleitung die Entscheidung ausdrücklich. Zugleiter Marc Michelske sagte gegenüber dpa: „Das war kein Fehler“. Man habe sich entschieden, das Motiv nicht doppelt aufzugreifen.
Hintergrund ist, dass in Düsseldorf erneut ein Wagen des bekannten Satirikers Jacques Tilly geplant ist, der sich mit Putin befasst. Köln habe das Thema daher bewusst dem rheinischen Nachbarn überlassen.
Bei der Entscheidung habe keine Furcht vor möglichen Reaktionen aus Russland eine Rolle gespielt. Für Michelske sei entscheidend gewesen, dass es grundsätzlich eine entsprechende künstlerische Auseinandersetzung gebe.
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Ermittlungen in Moskau
Gegen Tilly läuft nach Informationen des russischen Portals Ostoroschno Nowosti ein Strafverfahren. Ihm wird demnach vorgeworfen, Falschinformationen über die russische Armee verbreitet zu haben.
Michelske erklärte laut dpa, man habe sich öffentlich mit Tilly solidarisiert. „durch einen Wagen müssen wir es aber aus meiner Sicht nicht machen“, sagte er.
Auch der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn unterstützte den Kurs. „Der Zugleiter ist autonom in der Themenauswahl, und wenn er das so entschieden hat, dann trage ich das mit“, zitierte ihn die dpa.
Satire ohne Zurückhaltung
Tilly sieht die Ermittlungen gelassen, muss aber mit praktischen Folgen rechnen. So könnten Reisen in Länder mit Auslieferungsabkommen schwierig werden. Einschüchtern lasse er sich nach eigener Aussage nicht; Drohungen seien für ihn nichts Neues.
Der Verzicht auf ein Putin-Motiv bedeutet jedoch keinen Rückzug aus der politischen Satire. Andere Wagen greifen internationale und nationale Themen auf.
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Gezeigt werden unter anderem Darstellungen von US-Präsident Donald Trump, Anspielungen auf die AfD, Debatten über Aufrüstung, Grönland und Künstliche Intelligenz sowie Persiflagen auf Spannungen innerhalb der Bundesregierung.
Quelle: Der Spiegel, dpa