Startseite Europa Druschba-Pipeline unterbrochen: Ungarn und Slowakei wenden sich an Kroatien

Druschba-Pipeline unterbrochen: Ungarn und Slowakei wenden sich an Kroatien

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Lieferstopp sorgt für Druck.

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Der Streit um Energie und Einfluss in Osteuropa nimmt neue Schärfe an.
Ein unterbrochener Ölfluss bringt mehrere Regierungen unter Druck.
Im Zentrum steht eine der wichtigsten Pipelines des Kontinents.

Seit dem 27. Januar fließt kein russisches Rohöl mehr durch die Druschba-Pipeline in Richtung Ungarn und Slowakei, wie die Kronen Zeitung berichtet. Damit ist eine zentrale Versorgungsroute für beide EU-Staaten unterbrochen.

Die Druschba-Pipeline ist historisch eines der größten und wichtigsten Pipeline-Systeme Europas. Sie wurde in den 1960er-Jahren gebaut und war über Jahrzehnte eine zentrale Versorgungsroute für sowjetisches bzw. russisches Öl nach Mittel- und Osteuropa.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und den darauf folgenden EU-Sanktionen haben mehrere Staaten wie Deutschland und Polen ihre Importe über die Druschba-Pipeline eingestellt oder deutlich reduziert.

Politischer Schlagabtausch

Wie die Kronen Zeitung berichtet, warf der slowakische Ministerpräsident Robert Fico der Ukraine vor, eine Wiederaufnahme der Exporte bewusst zu verzögern, um politischen Druck auszuüben. Der Kreml unterstützte diese Darstellung.

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Die ukrainische Regierung wiederum machte nach Angaben ihres Außenministeriums einen russischen Angriff auf Infrastruktur verantwortlich. Außenminister Andrij Sybiha veröffentlichte auf X ein Bild von Löscharbeiten und erhob schwere Vorwürfe gegen Ungarn.

Budapest wies dies zurück. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an der Unterbrechung.

US-Außenminister Marco Rubio sprach das Thema Energie sowohl bei einem Treffen mit Fico in der Slowakei als auch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban in Budapest an.

Suche nach Alternativen

Angesichts der unsicheren Lage bemühen sich Ungarn und die Slowakei um Ausweichmöglichkeiten. Beide Länder wandten sich an Kroatien mit der Bitte, Öltransporte über die Adriapipeline zu ermöglichen.

Der kroatische Wirtschaftsminister Ante Susnjar signalisierte laut der Kronen Zeitung Unterstützung, sofern mögliche Lieferungen mit EU- und US-Vorgaben vereinbar seien.

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Parallel beantragte der ungarische Energiekonzern MOL die Freigabe strategischer Reserven. Sollten die Lieferungen aus dem Osten nicht bald wieder anlaufen, könnten zunächst rund 250.000 Tonnen Rohöl bereitgestellt werden.

Sonderrolle in der EU

Ungarn und die Slowakei nehmen innerhalb der Europäischen Union eine besondere Position ein. Beide Länder profitieren von Ausnahmeregelungen bei Sanktionen gegen russisches Pipeline-Öl.

Während viele EU-Staaten ihre Energiebeziehungen zu Moskau reduziert haben, halten Budapest und Bratislava an Importen fest. Der aktuelle Lieferstopp zeigt, wie verwundbar diese Abhängigkeit bleibt.

Quelle: Kronen Zeitung

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