Die Ukraine erklärt, sie habe einen der größten jüngsten russischen Luftangriffe abgewehrt und dabei in einer einzigen Operation Hunderte anfliegender Ziele abgefangen. Neu veröffentlichtes Bildmaterial deutet darauf hin, dass Kiew möglicherweise eine kostengünstigere Methode zur Abwehr von Moskaus Drohnenstrategie entwickelt.
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Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe, über die WP Tech berichtete, setzte Russland bei dem Angriff 425 Luftwaffen ein. Ukrainische Behörden erklärten: „Wir haben 392 Ziele abgewehrt.“
Kiew teilte mit, dass zu den abgefangenen Bedrohungen 367 Drohnen, 20 Marschflugkörper vom Typ Ch-101, vier Iskander-K-Raketen und eine Ch-59/69-Rakete gehörten.
Neue Abfangmethode
Unter den veröffentlichten Aufnahmen hoben Analysten von Defense Express ein Video hervor, das die Verfolgung und Zerstörung eines als „unbekanntes Luftziel“ beschriebenen Objekts zeigt.
Defense Express bewertete, dass das beteiligte Flugzeug eine von Russland vielfach eingesetzte, im Iran entwickelte Shahed-Drohne ins Visier genommen habe. Den Analysten zufolge wurde die Drohne mit einer gelenkten Rakete vom Typ APKWS II abgeschossen.
Details im Video deuten darauf hin, dass die Rakete mit Unterstützung des AN/AAQ-33 Sniper Advanced Targeting Pod abgefeuert wurde, einem von Lockheed Martin entwickelten System, das an einem F-16-Kampfjet montiert ist.
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Kostengünstigere Option
Das System APKWS II ist deutlich günstiger als herkömmliche Luft-Luft-Raketen. Von WP Tech zitierte Open-Source-Schätzungen beziffern die Kosten auf etwa 30.000 bis 31.000 US-Dollar pro Einheit.
Zum Vergleich: Eine AIM-9-Rakete soll schätzungsweise zwischen 380.000 und 470.000 US-Dollar kosten, während der Wert einer AIM-120 bei rund 320.000 bis 340.000 US-Dollar liegt.
Eine F-16 kann in der Regel bis zu sechs AIM-Raketen tragen, sie kann jedoch so konfiguriert werden, dass sie bis zu 28 APKWS-II-Raketen einsetzt. Dies könnte es ermöglichen, in einem einzigen Einsatz eine größere Zahl langsamerer Ziele zu bekämpfen.
Drohnenökonomie
Laut von WP Tech zitierten Angaben iranischer Hersteller soll der Kaufpreis, den Russland für Shahed-Drohnen zahlt, Berichten zufolge auf etwa 193.000 US-Dollar pro Stück gesunken sein. Die auf der Shahed basierende Variante Geran-2 wird auf rund 165.000 US-Dollar geschätzt.
Zwar kostet die Drohne weiterhin mehr als die zu ihrem Abschuss eingesetzte APKWS II, doch ist der Abstand deutlich geringer als beim Einsatz teurer Luft-Luft-Raketen gegen vergleichsweise kostengünstige unbemannte Fluggeräte.
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Das neu veröffentlichte Material stellt laut Defense Express das erste bestätigte Beispiel dafür dar, dass die Ukraine diese spezifische Konfiguration in einem realen Kampfeinsatz zur Abwehr eingesetzt hat.
Quellen: WP Tech, Ukrainische Luftwaffe, Defense Express