Er wurde in einem Propagandavideo als Beispiel für einen wahren russischen Patrioten verwendet.
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Während des Krieges in der Ukraine sind mehrere Berichte über Auszahlungssysteme, Betrug und andere Formen der Korruption aus den Reihen der russischen Streitkräfte und der Gesellschaft bekannt geworden.
Anfang dieser Woche berichtete The Barents Observer, dass einem russischen Bürgermeister wegen mutmaßlichen Betrugs, der zu fehlender Heizung für die Familien russischer Soldaten geführt haben soll, bis zu zehn Jahre Haft drohen.
Im Juli 2025 meldete Reuters, dass ein ehemaliger stellvertretender Chef des Generalstabs der russischen Armee zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er Verträge des russischen Verteidigungsministeriums genutzt haben soll, um sich mehr als 12 Millionen US-Dollar in die eigene Tasche zu stecken.
In einer im März 2022 in POLITICO veröffentlichten Kolumne beschrieb Polina Beliakova, Senior Research Fellow am Center for Strategic Studies an der Fletcher School der Tufts University, wie das Problem der Korruption in der russischen Armee tatsächlich schon Jahre vor der russischen Vollinvasion der Ukraine begonnen habe.
Nun steht ein mutmaßlicher russischer „Kriegsheld“ wegen eines Auszahlungssystems im Zusammenhang mit Gefechtsverletzungen vor Gericht.
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Vor Gericht wegen Betrugs
Laut The New York Times steht ein Oberstleutnant mit dem Rufzeichen „The Executioner“ derzeit in Russland vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, an einem Auszahlungssystem beteiligt gewesen zu sein.
Das Ermittlungskomitee Russlands, die oberste Strafverfolgungsbehörde des Landes, beschuldigt Oberst Konstantin Frolow, einen Betrug mit inszenierten Gefechtsverletzungen organisiert zu haben.
Nach Angaben der NYT wirft das Komitee mehr als 30 Soldaten und Sanitätern der 83. Garde-Luftsturmbrigade vor, sich mit Waffen selbst angeschossen zu haben, um Anspruch auf Entschädigungen zu erhalten.
Ermittler gehen davon aus, dass durch die falschen Angaben rund 200 Millionen Rubel, umgerechnet etwa 2,6 Millionen US-Dollar, aus Armeemitteln abgeflossen sind, wobei Kommandeure einen Anteil erhalten haben sollen.
Frolow und ein weiterer Einheitskommandeur wurden wegen Betrugs, Bestechung und Waffenhandels angeklagt. Der Fall wird vor einem Militärgericht verhandelt.
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Held in Propagandavideo
Der für den Kreml wohl peinlichste Aspekt ist, dass „The Executioner“ in einem Propagandavideo als leuchtendes Beispiel für russischen Patriotismus dargestellt wurde.
Das vom russischen Verteidigungsministerium auf Telegram veröffentlichte Video zeigt den Soldaten mit einer Sturmhaube.
Dem Begleittext zufolge ist „The Executioner“ ein Scharfschütze. In dem Video schildert er, wie er angeblich ein Kind gerettet habe, während er selbst beinahe sein Leben verlor.
Weiter heißt es, sein Kommandeur habe ihm mehrfach angeboten, sich auszuruhen, doch er habe dies abgelehnt.
„Ich möchte den Sieg auf dem Schlachtfeld feiern“, soll er gesagt haben.
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Gerichtsverfahren steht bevor
Die NYT beruft sich auf Gerichtsunterlagen, aus denen hervorgeht, dass Frolow eine Vorabvereinbarung mit der Staatsanwaltschaft getroffen hat und damit faktisch seine Schuld eingestanden hat – im Gegenzug für die Möglichkeit einer Strafmilderung. Die Urteilsverkündung ist für nächsten Monat angesetzt.
In einem Telefoninterview mit The New York Times aus einem Moskauer Untersuchungsgefängnis im vergangenen Jahr räumte Frolow eine Beteiligung an finanziellen Unregelmäßigkeiten ein, widersprach jedoch der Darstellung der Ermittler.
Er sagte, das System habe auf gefälschten Dokumenten und nicht auf selbst zugefügten Schussverletzungen beruht.
Quellen: The New York Times, Telegram-Kanal des russischen Verteidigungsministeriums, The Barents Observer, Reuters, POLITICO