Die BBC hat einen Plan vorgestellt, um die Position Großbritanniens im Streaming zu stärken, und zugleich signalisiert, dass ihr derzeitiges Finanzierungsmodell zunehmend unter Druck gerät. In einer ersten Stellungnahme zur Überprüfung der Royal Charter durch die Regierung erklärt der Sender, dass sich die Sehgewohnheiten auf eine Weise verändert haben, die er als „dauerhaft und unumkehrbar“ beschreibt.
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Laut der Stellungnahme der BBC zur Charter-Überprüfung möchte der Sender das Angebot auf iPlayer erweitern, indem auch Programme anderer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten bereitgestellt werden.
The Guardian berichtet, dass der Vorschlag Inhalte von ITV, Channel 4 und weiteren Anbietern umfassen würde. Dabei soll auch Raum für deren kommerzielle Modelle wie Werbung oder Abonnements bleiben, während die öffentlich-rechtlichen Programme der BBC weiterhin werbefrei bleiben.
„Es wird zunehmend deutlich, dass in der neuen Welt des globalen Streamings nur wenige Plattformen erfolgreich darin sein werden, eine große Publikumsreichweite zu halten“, erklärte die BBC.
Zudem teilte der Sender mit, dass geprüft werde, BBC Sounds für Drittanbieter und Kreative im Vereinigten Königreich zu öffnen.
Charter-Gespräche beginnen
Die Royal Charter ist der rechtliche Rahmen, der festlegt, wofür die BBC da ist und wie sie finanziert wird. Sie wird regelmäßig mit der Regierung neu ausgehandelt, und der aktuelle Prozess tritt nun in die Phase der Gespräche auf Ministerebene ein.
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In ihrer Stellungnahme argumentiert die BBC, dass die Regeln zur Rundfunkgebühr nicht mehr dazu passen, wie viele Menschen heute fernsehen.
„Die genaue Regelung, die Haushalte verpflichtet, eine Rundfunklizenz zu besitzen, spiegelt das typische Nutzungsverhalten vieler Haushalte im Vereinigten Königreich nicht mehr wider“, heißt es.
Weiter heißt es: „Die Rundfunkgebühr basiert auf der Annahme, dass Inhalte über ‚Live-TV‘ konsumiert werden (also während der Ausstrahlung angesehen werden). On-Demand-Nutzung ist jedoch nicht lizenzpflichtig – es sei denn, es handelt sich um BBC-Inhalte, die über iPlayer abgerufen werden.“
Wer zahlt und wer schaut
Die BBC verweist auf eine wachsende Lücke zwischen Nutzung und Zahlung. Nach Angaben des Senders nutzen 94 % der Menschen im Vereinigten Königreich die BBC jeden Monat, während weniger als 80 % der Haushalte die Rundfunkgebühr zahlen.
„Die BBC hat sich von einem Dienst, für den fast jeder Haushalt zahlte und den er nutzte, zu einem entwickelt, den fast jeder Haushalt nutzt, für den aber Millionen nicht bezahlen“, erklärte der Sender.
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„Die BBC stimmt der Regierung zu, dass ein nachhaltigeres Finanzierungsmodell erforderlich ist“, hieß es weiter. Ohne Reformen könne es einen „Kipppunkt“ bei der öffentlichen Unterstützung geben.
Quellen: The Guardian, BBC