Manchmal überreizen selbst die scharfsinnigsten Spieler am Tisch irgendwann ihre Hand.
Jahrelang schien ein Staatschef seine internationalen Rivalen mit schnellen und rücksichtslosen Schachzügen zu überlisten.
Doch eine einzige Fehlkalkulation könnte die Entwicklung seines Landes für immer verändert haben.
Ein kritischer Fehler
Walter Russell Mead, ein angesehener Professor am Hudson Institute in den Vereinigten Staaten, glaubt, dass Wladimir Putins Invasion der Ukraine die Entscheidung werden könnte, die Russland dauerhaft geschwächt und sein Vermächtnis neu geformt hat.
In einem Artikel im *The Wall Street Journal*, zitiert von Ziare, stellte Mead die Frage, ob Putin letztlich als „der Mann, der Russland zerstörte“ in Erinnerung bleiben werde.
Dem amerikanischen Akademiker zufolge verbrachte der Kremlchef Jahre damit, westliche Regierungen zu demütigen, während er den russischen Einfluss im Ausland durch aggressive, aber kalkulierte Schritte ausbaute.
Ukrainischer Widerstand
Doch der Akademiker sagte, Putin habe die Ukraine vor dem Start der umfassenden Invasion grundlegend missverstanden.
„Die Ukraine sei kein echtes Land gewesen, argumentierte er. Ihre Bevölkerung sei keine Nationalisten gewesen. Ihre Regierung sei eine leere Hülle gewesen“, schrieb Mead.
Stattdessen, so argumentierte er, hätten die Ukrainer bewiesen, dass sie bereit seien, für ihr Land zu kämpfen, während Präsident Wolodymyr Selenskyj es geschafft habe, die internationale Unterstützung für Kiew während des gesamten Krieges aufrechtzuerhalten.
Russland geschwächt
Mead warnte, dass selbst wenn Russland weiteres Territorium gewinne, die Kriegskosten dem Land bereits wirtschaftlich, militärisch und politisch geschadet hätten.
„Das wahrscheinlichere Ergebnis, eine zermürbende Pattsituation, die Russlands Arbeitskräfte und Wirtschaftsressourcen weiterhin aufzehrt, bedrohe Putins Macht und die Zukunft Russlands selbst“, schrieb er.
Er argumentierte auch, dass Russlands internationale Position sich in den letzten Jahren verschlechtert habe, wobei er auf den schwindenden Einfluss in Europa, dem Nahen Osten, Zentralasien und Afrika hinwies.
Wachsende Krise
Laut Mead habe der Krieg Russlands demografische und wirtschaftliche Probleme beschleunigt, da Hunderttausende wehrfähiger Männer entweder im Kampf gestorben oder aus dem Land geflohen seien.
Er warnte, dass wachsende ethnische Spannungen, wirtschaftliche Schwäche und geopolitische Isolation letztendlich eine Krise hervorrufen könnten, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vergleichbar sei.
„Sollte Putins Ideologie der russischen nationalen Wiederbelebung sich als entscheidender Fehlschlag erweisen, könnten seine Nachfolger Schwierigkeiten haben, das, was vom Imperium übrig ist, zusammenzuhalten“, schrieb Mead.
Quellen: The Wall Street Journal, Ziare.com