Der ehemalige Kanzler wurde dafür kritisiert, im Namen des Kremls Lobbyarbeit zu betreiben und für russische Staatsunternehmen gearbeitet zu haben.
Berlin wies am Sonntag einen neuen diplomatischen Vorstoß des russischen Präsidenten Wladimir Putin entschieden zurück, wie Reuters berichtete.
Der Kremlchef schlug eine höchst umstrittene Persönlichkeit vor, um potenzielle Friedensgespräche zwischen Moskau und der Europäischen Union zu koordinieren.
Er nannte dabei explizit den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder für diese Rolle. Amtsträger lehnten die Idee umgehend ab.
Der plötzliche Vorschlag folgte auf jüngste öffentliche Äußerungen des Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa. Dieser hatte ein „Potenzial“ für die Europäische Union festgestellt, die Zukunft der regionalen Sicherheit direkt mit Russland zu erörtern. Putin nutzte diese Bemerkungen, um seinen bevorzugten Kandidaten voranzutreiben.
Warum ist Schröder umstritten?
Schröder hat in seinem Heimatland eine erhebliche politische Hypothek. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 2005 übernahm der ehemalige Politiker umgehend eine lukrative Position bei der Leitung eines umstrittenen russischen Gaspipelineprojekts. Dieser Schritt schockierte viele internationale Beobachter.
Dieser Karrierewechsel zog heftige innenpolitische Kritik nach sich. Deutsche Bürger verurteilten seine bemerkenswert enge persönliche Beziehung zum russischen Präsidenten weithin. Aufgrund dieser langen Vorgeschichte betrachten westliche Staats- und Regierungschefs dieses jüngste Vermittlungsangebot als große Falle.
Ein anonymer deutscher Beamter sagte Reuters, Putin verbreite lediglich haltlose Ideen, um Spaltung in den Reihen der Verbündeten zu erzeugen. Diese bekannte Taktik ziele darauf ab, die geeinte Front zu spalten. Der Beamte betonte zudem, dass der Kreml keine seiner Kernforderungen bezüglich des Konflikts tatsächlich geändert habe.
Die Lage sondieren
Berlin möchte konkrete Maßnahmen auf dem Schlachtfeld sehen, bevor es sich auf große diplomatische Gipfeltreffen einlässt. Der ungenannte Beamte sagte Reuters, eine Verlängerung des aktuellen dreitägigen Waffenstillstands würde als echter Test für die russischen Absichten dienen. Worte allein würden die aktuelle Politik nicht ändern.
Ohne diese überprüfbaren Schritte bleibt die diplomatische Tür verschlossen.
Auch die Europäische Union hat Schröder als möglichen Unterhändler abgelehnt. Die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, erklärte gegenüber Reportern: „Wenn wir Russland das Recht einräumen, einen Unterhändler in unserem Namen zu ernennen, wäre das nicht sehr klug“, wie POLITICO berichtete.
Laut dem Kyiv Independent treffen sich EU-Beamte am 27. und 28. Mai informell auf Zypern, um die Angelegenheit und mögliche Forderungen an Moskau in potenziellen Friedensverhandlungen zu besprechen.
Quellen: Reuters, POLITICO, Kyiv Independent