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Russlands Drohnenwarnungen legen ein Zivilschutzsystem offen, das für einen anderen Krieg gebaut wurde

An old photograph of soldiers with a banner in a formation. Vintage black and white photo taken in the USSR around the 1970s-1980s
fotoak / Shutterstock.com

Wenn sich Gefahr schnell bewegt, können alte Verfahren Menschen im Unklaren lassen. Für viele Bewohner sind inoffizielle Kanäle zur ersten Informationsquelle geworden.

In mehreren russischen Regionen wurden Bewohner während Drohnenangriffen nicht durch Sirenen geweckt.

Laut dem polnischen Nachrichtenportal Onet erfuhren viele erst durch Explosionen oder lokale Telegram-Kanäle, dass etwas geschehen war.

Dieses Muster ließ sich kaum noch ignorieren, als Angriffe Moskau erreichten. Angriffe auf weiter entfernte Städte hatten in der Hauptstadt weniger Reaktionen ausgelöst, doch Drohnen über der Region Moskau machten das Thema zum Gegenstand einer breiteren öffentlichen Debatte.

Das alte System ist langsam

Russlands Zivilschutzsystem wurde in der Sowjetzeit geprägt, als sich die Planer auf Atomkrieg, Massenevakuierungen und Industriekatastrophen konzentrierten.

Heute kann die Bedrohung eine kleine Drohne sein, die tief fliegt und ihr Ziel erreicht, bevor die regionale Befehlskette Zeit hat zu reagieren.

Russland verfügt laut Onet über Sirenen, SMS-Warnungen, Apps und Krisenzentren, doch das System ist häufig von langsamen administrativen Genehmigungen abhängig.

Der frühere Katastrophenschutzfunktionär Aleksandr Tschuprijan beschrieb das Problem einmal unverblümt: „So etwas wie erhöhte Alarmbereitschaft gibt es nicht.“

Die Schwäche beschränkt sich nicht nur auf Drohnenangriffe. Überschwemmungen trafen in diesem Frühjahr mindestens 32 russische Regionen, darunter Dagestan und Tschetschenien.

Die Behörden erklärten, Tausende Menschen seien evakuiert worden und Nothilfe werde verteilt. Vor Ort berichtete Onet jedoch von einer deutlich weniger organisierten Reaktion: Decken, Trinkwasser und Lebensmittel wurden aus nahegelegenen Geschäften und Großhandlungen beschafft statt aus staatlichen Notfallreserven.

Auch Transportmittel fehlten. Evakuierungen waren oft davon abhängig, wer vor Ort helfen konnte, darunter Bewohner mit Booten, Autos oder anderen Fahrzeugen.

Lokale Behörden baten um Unterstützung von außen, nachdem das Ausmaß der Überschwemmungen ihre Kapazitäten überstieg.

Moskau vermeidet das Signal

Moskau verfügt über Russlands dichtestes Luftverteidigungsnetz, dennoch blieben öffentliche Warnungen dort lange Zeit begrenzt.

Der Grund war nicht nur technischer Natur. Onet berichtete, dass die Behörden Panik und die politische Signalwirkung regelmäßiger Luftalarme in der Hauptstadt fürchteten.

In Belgorod und Kursk, näher an der Ukraine, sind Sirenen und Warnungen häufiger. Weiter im Landesinneren Russlands kamen Warnungen mitunter erst nach dem Ende der Angriffe, wie bei den frühen Angriffen auf Tuapse.

Der Zivilschutz hängt auch von Orten ab, an denen Menschen Schutz suchen können. Viele Schutzräume aus Sowjetzeiten existieren zwar noch in den Registern, doch Bewohner fanden verschlossene Keller, überflutete Räume, Lagerräume und unbenutzbare Eingänge vor.

In Belgorod und Kursk reagierten die Behörden mit der Installation von Betonunterständen in der Nähe von Schulen, Haltestellen und Stadtzentren.

Ein Land mit geerbter Infrastruktur aus dem Kalten Krieg improvisiert nun Schutzmaßnahmen gegen Drohnen auf Straßenebene.

Quelle: Onet