Da Drohnensichtungen über Estland, Litauen und Lettland stark zunehmen, wenden sich die baltischen Nationen an die Ukraine, um Fachwissen beim Bau von Bunkern und der Abwehr potenzieller russischer Übergriffe zu erhalten.
Der Blick zum Himmel war einst ein friedlicher Zeitvertreib in ganz Osteuropa. Heute schwindet dieses Gefühl der Ruhe, da unidentifizierte Flugobjekte internationale Grenzen überqueren und die Menschen am Boden dazu veranlassen, sich still auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten, berichtet The Express.
Schutz suchen
Unbemannte Flugobjekte tauchen immer häufiger über Estland, Lettland und Litauen auf. Dieser plötzliche Anstieg versetzt die baltische Region in Alarmbereitschaft.
Ein NATO-Kampfjet zerstörte kürzlich eine Drohne, die über estnischem Territorium flog. Bei einem separaten Vorfall mussten führende Politiker Litauens in unterirdischen Bunkern Schutz suchen.
Die drei Nationen benötigen schnell praktische Lösungen. Sie möchten, dass ukrainische Experten ihnen beim Bau von Bunkern helfen und herausfinden, wie die Luftraumverletzungen ein für alle Mal gestoppt werden können.
Bereit zur Unterstützung
Laut POLITICO haben baltische Beamte ukrainische Zivilschutzteams kontaktiert. Sie nehmen auch Kontakt zu Rüstungsherstellern auf.
Ihor Fedirko, Leiter des Ukrainischen Rates der Verteidigungsindustrie, sprach bei einer Veranstaltung in Prag über die Anfragen. „Es seien keine riesigen Länder. Sie versuchten, die besten Lösungen gegen die russische Aggression zu finden, falls diese eintreten sollte, um ihre Bevölkerung sicher und unversehrt zu halten“, sagte er laut POLITICO.
Yuriy Ryzhenkov, Leiter des ukrainischen Stahlunternehmens Metinvest, bestätigte, dass sein Unternehmen mit baltischen Führern über den Bau von Verteidigungsstrukturen gesprochen habe.
Eine Erzählung aufbauen
Jenseits der physischen Bedrohung braut sich ein diplomatischer Sturm zusammen. Russland kündigte kürzlich an, die baltischen Staaten vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen.
Moskau behauptet, die Rechte russischsprachiger Personen in diesen Ländern würden unterdrückt. Anton Gerashchenko, ein ehemaliger ukrainischer Innenminister, warnte auf X, dass dieser Schritt ein gefährliches Signal sei.
Er beschrieb den Gang vor Gericht als Vorbereitung einer rechtlichen Erzählung für zukünftige Konflikte. „Moskaus Rhetorik ist Standard und bekannt: ‚Sprachverbote‘, ‚Russophobie‘ und ‚Verfolgung von Andersdenkenden‘“, schrieb Gerashchenko.
Ein bekanntes Vorgehen
Der ehemalige Minister wies darauf hin, dass Russland genau dieses Vorgehen bereits vor der Invasion Georgiens im Jahr 2008 angewandt habe. Sie hätten jahrelang über den Schutz ihrer Bürger gesprochen, bevor sie Truppen entsandten.
„Der Kreml überführte das Konzept des ‚Schutzes von Landsleuten‘ dann von der Propaganda in formelles Recht“, erklärte Gerashchenko auf X.
Da die baltischen Länder der NATO und der EU angehören, kann Moskau dort nicht einfach Pässe verteilen, um russische Staatsbürger zu schaffen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf die Sprache.
Die Allianz auf die Probe stellen
Gerashchenko merkte an, dass die NATO-Mitgliedschaft das Haupthindernis für Moskau bleibe, warnte jedoch, dass Russland internationale Zweifel säen wolle.
Er argumentierte, das Ziel sei es, eine Akte von Menschenrechtsbeschwerden aufzubauen. Dies könnte nützlich werden, falls das westliche Engagement für das Militärbündnis schwächer werde.
„Genau dieser Rahmen werde nun eingesetzt, um eine potenzielle Invasion der baltischen Staaten zu rechtfertigen“, schloss er.
Quellen: The Express, POLITICO, X