Russland verlangt nun von den meisten Antragstellern auf die Staatsbürgerschaft einen Strafregisterauszug, während Ukrainer in besetzten Gebieten weiterhin von Moskaus beschleunigten Einbürgerungsprogrammen ausgenommen bleiben.
Russland hat neue Anforderungen für die meisten ausländischen Antragsteller auf die russische Staatsbürgerschaft eingeführt und verlangt nun im Rahmen des Einbürgerungsverfahrens einen Nachweis über das Strafregister.
Die neuen Vorschriften gelten jedoch nicht für Ukrainer, die Anspruch auf die vereinfachten Einbürgerungsprogramme Moskaus in den besetzten Gebieten haben.
Neue Anforderung
Laut Kyiv Post unter Berufung auf RIA Novosti hat der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret unterzeichnet, das ausländische Staatsangehörige und Staatenlose, die die russische Staatsbürgerschaft beantragen, zur Vorlage von Dokumenten über ihre strafrechtliche Vergangenheit verpflichtet.
Antragsteller müssen eine Bescheinigung vorlegen, die bestätigt, dass keine Vorstrafen vorliegen, oder frühere Verurteilungen offenlegt.
Das Dokument muss von der zuständigen Behörde des Staatsangehörigkeitslandes des Antragstellers oder – bei Staatenlosen – von dem Land ausgestellt werden, das die Identitätsdokumente ausgegeben hat.
Gemäß dem Dekret darf die Bescheinigung bei der Einreichung nicht älter als drei Monate sein.
Umfassende Reform
Laut Kyiv Post ist die Maßnahme Teil einer umfassenderen Verschärfung der russischen Migrations- und Staatsbürgerschaftspolitik.
Dem Dekret ging ein Gesetz voraus, das von der Staatsduma in erster Lesung angenommen wurde und Ausländern mit offenen oder nicht getilgten Vorstrafen den Erwerb der russischen Staatsbürgerschaft oder eines legalen Aufenthaltsstatus verwehren würde.
Die vorgeschlagenen Einschränkungen würden unabhängig von der Schwere des Delikts gelten.
Die russischen Behörden haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf strengere Migrationskontrollen konzentriert.
Ausnahme für Ukrainer
Trotz der neuen Anforderungen gilt die Vorschrift zum Strafregister nicht für Ukrainer, die für Russlands vereinfachte Einbürgerungsverfahren infrage kommen.
Laut Kyiv Post betrifft dies auch Bewohner ukrainischer Gebiete, die derzeit von russischen Streitkräften besetzt sind.
Seit Beginn der groß angelegten Invasion im Jahr 2022 hat Moskau die beschleunigten Einbürgerungsprogramme in Regionen ausgeweitet, die Russland als annektiert betrachtet.
Die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten haben diese Politik wiederholt kritisiert und argumentiert, dass die Vergabe russischer Pässe in besetzten Gebieten gegen das Völkerrecht verstoße.
Passkampagne
Laut Kyiv Post schätzt der britische Geheimdienst, dass Russland etwa 3,5 Millionen Pässe an Bewohner besetzter ukrainischer Gebiete ausgegeben hat.
Ukrainische Behörden werfen Russland vor, Bewohner unter Druck gesetzt zu haben, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen, unter anderem durch Drohungen in Bezug auf Eigentumsrechte und mögliche Deportationen.
Die Politik ist zu einem zentralen Bestandteil von Moskaus Bemühungen geworden, die administrative Kontrolle über die besetzten Regionen zu stärken.
Im Mai unterzeichnete Putin zudem ein separates Dekret, das Bewohnern der moldauischen Separatistenregion Transnistrien den Zugang zur russischen Staatsbürgerschaft erleichtert.
Quellen: Kyiv Post, RIA Novosti