Er warnte Russlands Feinde davor, die Entschlossenheit des Kremls auf die Probe zu stellen.
Der Kreml scheut sich nicht davor, den Westen daran zu erinnern, dass er eine Atommacht ist.
Es scheint, dass fast jede Woche neue nukleare Drohungen von russischen Beamten und Fernsehpersönlichkeiten ausgesprochen werden, doch einige offene Fragen bleiben bestehen.
Die wichtigste davon ist: Was könnte Russland tatsächlich dazu veranlassen, Atomwaffen einzusetzen?
Hoffentlich nichts, doch Russlands stellvertretender Außenminister Sergej Rjabkow hat den Westen erneut daran erinnert, was Russlands Nukleardoktrin besagt.
Harte nukleare Drohungen
Am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg betonte Rjabkow, dass das Land Atomwaffen einsetzen würde, falls andere versuchen sollten, russisches Territorium zu betreten, wie die russische Nachrichtenagentur TASS und The Moscow Times berichteten.
Der Beamte beschrieb dies als eine hypothetische Extremsituation. Dennoch könnte jede Bedrohung der territorialen Integrität Russlands eine verheerende Reaktion auslösen. Dies gelte auch, wenn der Angreifer nicht über nukleare Fähigkeiten verfüge.
„Was uns betrifft, so wurden jene hypothetischen Extremsituationen, die den Einsatz dieser Waffen auslösen könnten, in Russlands Militärdoktrin und den Grundlagen der staatlichen Politik Russlands zur nuklearen Abschreckung detailliert dargelegt“, erklärte Rjabkow.
Hitzköpfe abkühlen
Der Diplomat warnte Gegner davor, die Entschlossenheit der Nation auf die Probe zu stellen. Diese Warnung folgt auf frühere Äußerungen vom Mai bezüglich der Tests des Sarmat-Raketensystems, bei denen Rjabkow anmerkte, dass Russland „Hitzköpfe im Westen abkühlen“ wolle, und hinzufügte, dass „keine [nuklearen] Schirme sie retten werden“.
Die genaue Formulierung der staatlichen Politik erläuterte er während eines Wirtschaftsforums in St. Petersburg.
„In einer etwas direkten Interpretation läuft das Signal in diesen Dokumenten darauf hinaus, dass ein Übergriff auf Russland oder dessen territoriale Integrität durch Aggressoren, einschließlich jener, die solche Waffen sogar besitzen mögen, im schlimmsten Fall zu einer Reaktion unsererseits unter Einsatz dieser [nuklearen] Mittel führen könnte“, warnte Rjabkow.
Was ist mit den annektierten Gebieten?
Rjabkows Äußerungen scheinen auf den ersten Blick eindeutig, doch angesichts der Lage in der Ukraine bleiben einige Fragen unbeantwortet.
Russland hat mehrere Oblaste in der Ukraine annektiert und beansprucht sie als russisches Territorium, obwohl nicht alle dieser Gebiete vollständig unter russischer Kontrolle stehen.
Laut Rjabkows Aussage könnten ukrainische Gegenoffensiven, die darauf abzielen, unter russischer Kontrolle stehendes Territorium zurückzuerobern, einen Übergriff auf Russlands territoriale Integrität darstellen.
Rjabkow ging in seinen Äußerungen nicht auf die Frage der ukrainischen Oblaste ein.
Bereit zum Kampf
Die Spannungen breiten sich schnell auf Russlands Nachbarländer aus. Am 3. Juni warnte der belarussische Verteidigungsminister Viktor Chrenin, dass das Risiko eines direkten militärischen Zusammenstoßes mit dem Westen ein extrem hohes Niveau erreicht habe.
Auf einer Sicherheitssitzung in Moskau verwies Chrenin auf die Stationierung von 21.000 NATO-Truppen in Polen und den baltischen Staaten. Seine Regierung betrachte diesen Aufmarsch als klare Vorbereitung auf einen Konflikt.
Er fügte hinzu, dass steigende westliche Militärausgaben auf eine größere Konfrontation hindeuteten. Dem Beamten zufolge übt das Bündnis aktiv, wie Kräfte schnell an seine Ostflanke verlegt werden können.