Die Ukraine drängt auf stärkeren Schutz, während Moskaus Kriegsführung Anzeichen von Schwäche zeigt. Die nächste Phase könnte von Waffen, Bündnissen und Druck weit entfernt von der Front abhängen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einem Interview mit der Zeitung The Guardian in London, Russland bestimme nicht mehr das Tempo des Krieges wie früher.
„Wir können nicht sagen, dass Russland diesen Krieg verliert. Aber wir können sagen, dass es jeden Tag, Tag für Tag, die Initiative verliert“, sagte er.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe mit großer Reichweite auf Ölanlagen, Verkehrsverbindungen und militärische Infrastruktur ausgeweitet, die mit Russlands Kriegsführung in Verbindung stehen, darunter auch Ziele auf der besetzten Krim.
Selenskyj sagte der Zeitung, dass Russlands Vormarsch im Osten der Ukraine nahezu zum Stillstand gekommen sei und Moskau monatlich mehr als 30.000 Soldaten verliere, darunter Tote und Schwerverletzte.
Die Zahlen deuteten darauf hin, dass es dem Kreml nicht gelungen sei, seinen personellen Vorteil in einen entscheidenden Durchbruch umzuwandeln.
Auch die Ukraine habe Verluste erlitten, doch Selenskyj wertete die hohen russischen Verluste als Beleg dafür, dass die Offensive an Kraft verliere.
Angriffe auf Kyjiw und Dnipro dauern an
Der militärische Druck auf Russland hat die Gefahr für die ukrainische Zivilbevölkerung nicht beendet.
The Guardian berichtete über jüngste russische Raketen- und Drohnenangriffe auf Kyjiw und Dnipro, bei denen Zivilisten getötet wurden, darunter auch ein Kind.
Selenskyj sagte, Wladimir Putins Rechtfertigung für die Invasion habe von Anfang an auf falschen Behauptungen beruht.
„Der Grund, warum er lügt, spielt keine Rolle“, sagte Selenskyj.
Putin lehnt direkte Gespräche ab
Selenskyj bot an, Putin persönlich zu treffen, doch der russische Präsident lehnte den Vorschlag ab und wiederholte Moskaus Ansprüche auf ukrainisches Territorium.
Selenskyj sagte zudem, Russland sehe sich nach Rückschlägen für kremlfreundliche Kräfte im Ausland mit einem schrumpfenden Unterstützerkreis konfrontiert.
„Sie sind in Europa und auch von den Vereinigten Staaten isoliert. Sie sind allein“, sagte er.
Ukraine fordert Patriot-Systeme
Selenskyj sagte, die Ukraine benötige mehr Patriot-Systeme, da diese russische ballistische Raketen abfangen könnten.
Zudem fordert er die europäischen Regierungen auf, bei der Verteidigung des ukrainischen Luftraums zu helfen und den Übergang der Ukraine zu einer Vertragsarmee zu unterstützen.
Im Gegenzug könne die Ukraine ihre mühsam erworbenen Erfahrungen in der Drohnenkriegsführung mit den NATO-Partnern teilen, sagte er.
Quelle: The Guardian