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Europäer setzen stärker auf Eigenständigkeit, während das Vertrauen in die USA schwindet

Family group portrait of leaders of the European Political Community gathered at the summit in Yerevan, Armenia, showing unity and cooperation between European nations during the official event
Cristi Dangeorge / Shutterstock.com

Die öffentliche Meinung verändert sich, da äußerer Druck auf innenpolitische Sorgen trifft. Viele Wähler wünschen sich stärkeren Schutz, bleiben jedoch skeptisch gegenüber Entscheidungen, die die wirtschaftliche Belastung weiter verschärfen könnten.

Eine neue Umfrage zeigt, dass Europäer Verteidigungspolitik zunehmend neben Inflation, Energiekosten und dem Druck auf öffentliche Dienstleistungen bewerten.

Die Umfrage wurde im Mai 2026 unter 19.481 Erwachsenen in 15 Ländern durchgeführt und von Jana Kobzová und Paweł Zerka für den European Council on Foreign Relations (ECFR) ausgewertet. Der Bericht gibt die Ansichten der Autoren wieder und spiegelt nicht zwangsläufig die gemeinsame Position des ECFR wider.

Die zentrale Erkenntnis lautet, dass die Wähler einer größeren europäischen Eigenständigkeit offener gegenüberstehen, zugleich aber weiterhin auf die Kosten achten. Verteidigung, die Ukraine und die Energiepolitik werden danach beurteilt, ob sie den Kontinent sicherer machen, ohne den Alltag der Menschen zu erschweren.

Russische Energie bleibt politisch unpopulär

Die Energiepolitik ist eines der deutlichsten Beispiele dafür. Trotz anhaltenden Preisdrucks sprach sich die Mehrheit der Befragten gegen eine Rückkehr zu Importen russischer fossiler Brennstoffe aus.

In den meisten untersuchten Ländern bevorzugte eine Mehrheit einen stärkeren Ausbau europäischer erneuerbarer Energien sowie der heimischen Energieproduktion.

Die größte Unterstützung für eine Wiederaufnahme russischer Öl- und Gasimporte fand sich in Bulgarien, Ungarn und Italien sowie unter Teilen der Wählerschaft rechtsradikaler Parteien in anderen Ländern.

Diese Erkenntnis ist auch über die Energiepolitik hinaus von Bedeutung. Sie deutet darauf hin, dass die Wähler die Risiken einer Abhängigkeit von Moskau nicht vergessen haben, selbst wenn sie sich fragen, wie viele weitere Belastungen sie noch tragen können.

Die Unterstützung für die Ukraine hat klare Grenzen

Die Ukraine genießt in weiten Teilen Europas weiterhin breite Sympathie. In vielen Ländern betrachteten die Befragten Kiew entweder als Verbündeten oder als notwendigen Partner.

Die Unterstützung nimmt jedoch ab, sobald die Debatte von Solidarität zu konkreten Verpflichtungen übergeht. Die Entsendung von Truppen in die Ukraine nach einem Friedensabkommen stieß in mehreren wichtigen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Polen, auf Ablehnung.

Auch für eine ukrainische EU-Mitgliedschaft „im derzeitigen Kontext“ gab es keinen klaren Konsens. Das macht die Erweiterungspolitik politisch sensibel, insbesondere wenn Gegner sie mit öffentlichen Sorgen über Krieg, Staatsausgaben und Migration verknüpfen können.

Das Vertrauen in Washington ist gesunken

Die Vereinigten Staaten bleiben für die Europäer wichtig, doch das Vertrauen hat deutlich nachgelassen. Nur 11 Prozent der Befragten bezeichneten die USA als Verbündeten, während 50 Prozent sie als „notwendigen Partner“ einstuften. Weitere 25 Prozent betrachteten die USA als Rivalen oder Gegner.

Dennoch fordert die Mehrheit der Europäer nicht, die NATO durch eine rein europäische Verteidigungsstruktur zu ersetzen. Die vorherrschende Ansicht ist pragmatischer: Europa sollte mehr investieren, mehr eigene Ausrüstung beschaffen und seine Abhängigkeit von Washington verringern.

Dem Bericht zufolge gibt es in mehreren Ländern Unterstützung für gemeinsame europäische Kreditaufnahme zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben. Werden militärische Investitionen jedoch als Alternative zu anderen öffentlichen Ausgaben dargestellt, zeigen sich die Wähler deutlich gespalten.

Die Autoren des ECFR-Berichts argumentieren, dass Europas Regierungen Rückhalt für entschlosseneres Handeln haben – allerdings nur, wenn sie die wirtschaftlichen Folgen sorgfältig abfedern.

Wahlen, Preisschocks und populistische Kampagnen könnten die Unterstützung für ein eigenständigeres Europa dennoch schwächen. Die Warnung der Umfrage lautet, dass die Regierungen möglicherweise derzeit genügend Zustimmung zum Handeln besitzen, jedoch nicht genug, um die Debatte auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

Quellen: Umfrage/Bericht des European Council on Foreign Relations von Jana Kobzová und Paweł Zerka.