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Mehr als 200.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa seit 2022 registriert, meldet die WHO

Mehr als 200.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa seit 2022 registriert, meldet die WHO

Behörden in ganz Europa werden dazu aufgefordert, ihre Schutzmaßnahmen zu verstärken, da die Temperaturen weiter steigen. Nach Angaben von Experten könnten praktische Maßnahmen viele der Todesfälle verhindern, die mit immer häufigeren Hitzewellen in Verbindung gebracht werden.

Europas Gesundheitsbehörden stehen erneut unter Druck, sich an ein wärmeres Klima anzupassen, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet hat, dass in der EU und den assoziierten Staaten in den vergangenen vier Jahren mehr als 200.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben sind.

Die Warnung erfolgte im Zusammenhang mit der Veröffentlichung aktualisierter WHO-Leitlinien, die Regierungen, Städte und Gesundheitssysteme dabei unterstützen sollen, auf extreme Temperaturen zu reagieren und sich darauf vorzubereiten. Die Empfehlungen wurden in Berlin vorgestellt, nachdem Teile Europas eine Phase ungewöhnlich hoher Temperaturen erlebt hatten.

Dr. Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, erklärte, das Ausmaß des Problems nehme zu, da der Klimawandel die Temperaturen auf dem gesamten Kontinent weiter ansteigen lasse.

„Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent, und wir zahlen dafür mit Menschenleben“, sagte Kluge laut Health Policy Watch.

Städte sollen sich anpassen

Anstatt Hitzewellen als isolierte Wetterextreme zu betrachten, empfehlen die neuen Leitlinien den Behörden, langfristige Schutzmaßnahmen in die Stadtplanung und öffentliche Dienstleistungen zu integrieren.

Die WHO fordert Maßnahmen wie die Ausweitung des Baumbestands, die Einrichtung von Abkühlungszentren, die Schaffung zusätzlicher schattiger öffentlicher Bereiche sowie den Einsatz von Materialien, die weniger Wärme speichern.

Die Organisation unterstützt zudem das sogenannte „Schwammstadt“-Konzept, das auf durchlässige Oberflächen und grüne Infrastruktur setzt, um Wasser zurückzuhalten und die Temperaturen in Städten zu senken.

Diese Empfehlungen sollen dem sogenannten städtischen Wärmeinseleffekt entgegenwirken. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem dicht bebaute Gebiete deutlich wärmer werden als ihr Umland, weil Straßen, Gebäude und andere Oberflächen Wärme speichern.

Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra warnte, dass große und stark bebaute Städte während extremer Hitzeperioden vor besonderen Herausforderungen stünden.

Ältere Menschen besonders gefährdet

Die aktualisierten Leitlinien legen einen starken Fokus auf den Schutz derjenigen, die während Hitzewellen dem größten Risiko ausgesetzt sind.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, da die Fähigkeit des Körpers zur Temperaturregulierung mit zunehmendem Alter nachlassen kann. Gleichzeitig können chronische Erkrankungen und bestimmte Medikamente die Empfindlichkeit gegenüber Hitze erhöhen. Auch alleinlebende Menschen, Personen mit bestehenden Gesundheitsproblemen sowie sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen tragen ein erhöhtes Risiko.

Die WHO empfiehlt, dass lokale Behörden gefährdete Einwohner bereits im Vorfeld identifizieren und entsprechende Register mit Hitzewarnsystemen verknüpfen. Bei extremer Hitze könnten dadurch Kontrollbesuche, Unterstützungsmaßnahmen oder direkte Hilfeleistungen für Menschen ausgelöst werden, die Unterstützung benötigen, um geschützt zu bleiben.

Die Leitlinien fordern außerdem Informationskampagnen, die auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zugeschnitten sind, darunter auch Menschen mit eingeschränktem Zugang zu digitalen Warnsystemen oder offiziellen Mitteilungen.

Neue Anforderungen für Arbeitgeber und Krankenhäuser

Der Schutz am Arbeitsplatz ist ein weiterer zentraler Bestandteil der Empfehlungen. Wie Digi24 berichtet, umfassen die vorgeschlagenen Maßnahmen flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen sowie eine Reduzierung von Arbeiten im Freien während der heißesten Tagesstunden.

Auch Gesundheitseinrichtungen werden dazu angehalten, sich auf eine steigende Nachfrage während Hitzewellen vorzubereiten. Die Leitlinien betonen die Bedeutung funktionierender Kühlsysteme, des Schutzes temperaturempfindlicher Medikamente sowie einer ausreichenden Personalbesetzung, wenn die Temperaturen sprunghaft steigen.

Deutschlands Umweltminister Carsten Schneider sagte laut Health Policy Watch:

„Die Natur kann uns helfen, die Hitze zu bekämpfen – wenn wir sie lassen.“

Die Finanzierung bleibt jedoch eine erhebliche Herausforderung. Regierungen in ganz Europa müssen die Anforderungen der Klimaanpassung mit anderen Haushaltsbelastungen in Einklang bringen, darunter steigende Verteidigungsausgaben und weitere wirtschaftliche Verpflichtungen.

Der EU-Kommissar für Klimaschutz, Wopke Hoekstra, schrieb im Vorwort der Leitlinien laut Health Policy Watch:

„Die Beweislage ist eindeutig: Investitionen in Emissionsminderungen sind weitaus günstiger als die Kosten von Klimaschäden.“

Für die WHO bleibt das Ziel klar. Die Organisation ist überzeugt, dass die meisten hitzebedingten Todesfälle verhindert werden können, wenn Regierungen frühzeitig handeln, ihre Vorsorge verbessern und sicherstellen, dass Unterstützung die besonders gefährdeten Menschen erreicht, bevor die Temperaturen gefährliche Werte erreichen.

Quellen: Health Policy Watch, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Digi24