„Wie Sie sich vorstellen können, ist es nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte ein Marinesprecher.
Jahrelang hat Russlands Präsident Wladimir Putin Militärparaden genutzt, um die militärische Stärke Russlands zu demonstrieren, sein Image zu stärken und die Nation hinter dem Militär zu versammeln.
Doch während sich der Krieg in der Ukraine hinzieht und in sein fünftes Jahr geht, während russische Truppen auf dem Schlachtfeld kämpfen, hat Putins Vorliebe für Paraden einige erhebliche Rückschläge erlitten.
Die Siegestagsparade in Moskau am 9. Mai wurde erheblich verkleinert – ohne Flugschau und ohne gepanzerte Fahrzeuge. Beobachter beschrieben dies als einen schweren Schlag für Putins Image als starker Mann und als Anführer, der sich selbst als Beschützer des russischen Volkes darstellt.
Und nun wurde auch eine jährliche russische Marineparade abgesagt – und das ausgerechnet in Putins Geburtsstadt.
Stille in St. Petersburg
Das lokale Nachrichtenportal Fontanka berichtete am Montag, dass die jährliche Marineparade zum Tag der Marine in St. Petersburg, die im Sommer stattfindet, am seidenen Faden zu hängen scheint.
Mitte Juni war noch kein offizielles Präsidialdekret erlassen worden, um die Sommerveranstaltung zu genehmigen. Die Flotten verzichten gänzlich auf ihre Fahrten zur Ostseeküste. Es herrscht völliger Stillstand.
Quellen innerhalb des Militärs bestätigten, dass die üblichen umfangreichen Vorbereitungen vollständig eingestellt worden seien. Normalerweise wären komplexe Logistikabläufe und Proben jetzt bereits in vollem Gange. Doch es bleibt völlig ruhig.
„Wie Sie sich vorstellen können, ist es nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte ein Marinesprecher gegenüber Fontanka, als er nach der ausbleibenden Aktivität gefragt wurde.
Sicherheitsbedenken bleiben bestehen
Sollte die Absage offiziell bestätigt werden, wäre es das dritte Jahr in Folge, dass die prestigeträchtige Marineparade gestört oder komplett abgesagt wurde. Die wiederholten Absagen verdeutlichen den immensen Druck, unter dem das militärische Establishment des Landes steht.
Im vergangenen Jahr sagten die Behörden die Veranstaltung in St. Petersburg aufgrund ernsthafter Sicherheitsbedenken vollständig ab, wie The Moscow Times berichtete.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte Reportern damals, dass die „allgemeine Atmosphäre“ zu dieser Entscheidung geführt habe.
Ähnliche Bedrohungen beeinträchtigten die Veranstaltung bereits im Jahr zuvor. Sicherheitskräfte warnten vor einem wahrscheinlichen Angriff auf teilnehmende Marineschiffe, was die Organisatoren zwang, den Kronstädter Teil der Parade zu verkürzen.
Seit ihrer Wiederbelebung im Jahr 2017 findet die jährliche Parade am letzten Sonntag im Juli statt. Sie dient traditionell als Leistungsschau der Baltischen Flotte, doch die anhaltende regionale Instabilität hat die Veranstaltung faktisch auf Eis gelegt.