Wichtige Systeme unter der Wasseroberfläche lassen sich immer schwerer ignorieren. Im Norden testen alliierte Streitkräfte, wie gut sie das schützen können, was außer Sichtweite liegt.
Der Schutz von Pipelines und Kommunikationskabeln ist für die NATO-Streitkräfte zu einer immer dringlicheren Aufgabe geworden. Die Gewässer vor Norwegen sind inzwischen ein zentraler Ort, um diese Fähigkeiten zu trainieren. Der norwegische öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK berichtete von einer Marineübung unter Beteiligung Norwegens, Großbritanniens, Deutschlands und Dänemarks.
Im Mittelpunkt der Übung stand das norwegische U-Boot KNM Utvaer, das den Auftrag erhielt, sich unbemerkt in die Nähe von Gasinfrastruktur und Unterwasserkabeln zu begeben. Über der Wasseroberfläche flog ein britischer Merlin-Hubschrauber in geringer Höhe und setzte eine Sonarboje aus, um unter der Oberfläche Geräusche zu erfassen.
Die nördlichen Gewässer Norwegens sind von großer Bedeutung, da sie in der Nähe wichtiger Atlantikrouten, kritischer Energieinfrastruktur und Gebiete liegen, in denen die NATO russische Marineaktivitäten überwacht.
Norwegischer Meeresboden erschwert die Suche
Die britische Marineoffizierin Alex Kelley erklärte gegenüber NRK, dass die Besatzungen die zuletzt bekannte Position des U-Boots sowie eine Einschätzung seiner möglichen nächsten Schritte erhalten hätten. Ziel der Mission sei es gewesen, unentdeckt zu bleiben und sich gleichzeitig in der Nähe von Kabeln und Gaspipelines zu bewegen.
Sie sagte, dass die britischen Streitkräfte diese Art von Einsatz in ihrer Heimat nicht realitätsnah üben könnten. Vor Norwegens Küste erschweren tiefe Fjorde, steile Unterwasserformationen und wechselnde Wassertemperaturen die Ortung von Bewegungen unter der Wasseroberfläche erheblich.
Es ist anspruchsvoll, und genau das wollen wir. Die Bedingungen hier und die norwegischen U-Boote sind außergewöhnlich.
Laut NRK richtet sich der Schwerpunkt der Übung inzwischen stärker auf den Schutz von Infrastruktur in größeren Wassertiefen. Dazu gehören Gaspipelines und Glasfaserkabel, die Energie, Daten und Kommunikation zwischen Ländern übertragen.
Der Sender wies darauf hin, dass die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee die Sorge über die Verwundbarkeit von Systemen auf dem Meeresboden zusätzlich verstärkt habe.
Gemeinsames U-Boot-Programm fügt eine weitere Ebene hinzu
Norwegen und Deutschland bereiten sich darauf vor, künftig baugleiche neue U-Boote einzusetzen. Für jedes der beiden Länder sind sechs Boote vorgesehen. Dadurch können beide Marinen dieselben Ersatzteile, Werkzeuge und Wartungssysteme nutzen.
Der deutsche Kommandeur Tobias Eikermann sagte gegenüber NRK, dass die norwegischen Gewässer Erfahrungen ermöglichten, die Deutschland andernorts kaum sammeln könne.
Die Bedingungen für U-Boote in den norwegischen Fjorden gehören zu den anspruchsvollsten, die man sich vorstellen kann.
Der norwegische U-Boot-Chef Jim Robertsen erklärte, das erste neue norwegische U-Boot werde voraussichtlich 2029 ausgeliefert. Die derzeitigen Boote seien in die Jahre gekommen, während die nächste Generation länger unter Wasser bleiben und mit geringerer Sichtbarkeit operieren könne.
Norwegens Generalstabschef Eirik Kristoffersen sagte, dass U-Boote und Kampfflugzeuge des Typs F-35 zu den wichtigsten Abschreckungsmitteln des Landes gehörten.
Nichts hat eine größere abschreckende Wirkung als ein U-Boot.
Die Besatzung des Merlin-Hubschraubers kehrte schließlich zurück, ohne die KNM Utvaer entdeckt zu haben. Die erfolglose Suche verdeutlichte den praktischen Grund, warum die Alliierten weiterhin im hohen Norden üben: In diesen Gewässern ist die Geografie nicht bloß Kulisse – sie bestimmt den Einsatz selbst.
Quelle: NRK