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Gelangweilt bei der Arbeit? Unterforderung kann genauso schädlich sein wie Überarbeitung

Bored office worker with computer, coffee cup and ipad
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Die Warnsignale können sich schleichend bemerkbar machen – ohne Panik oder Zusammenbruch. Was von außen nach Beständigkeit aussieht, kann sich innerlich leer anfühlen.

In einer Buchhaltungsabteilung kann ein Beschäftigter jahrelang Rechnungen erfassen, Spesenabrechnungen prüfen, Dokumente abgleichen und Lieferanten kontaktieren.

Die Routine kann für die eine Person perfekt passen. Für jemand anderen kann sich derselbe Arbeitstag irgendwann so anfühlen, als würde die Uhr in Zeitlupe ticken.

In einem Meinungsbeitrag für The Guardian argumentiert der Kolumnist und Unternehmensberater Gene Marks, dass der Begriff „Rust-out“ am Arbeitsplatz nicht automatisch als Beweis dafür gewertet werden sollte, dass ein Arbeitgeber versagt hat. Seiner Ansicht nach sind viele Tätigkeiten gleichförmig, weil die Unternehmen auf wiederkehrende und unverzichtbare Aufgaben angewiesen sind.

Marks verweist auf die alltäglichen Unternehmen, die große Teile der Wirtschaft am Laufen halten: Firmen, die Zahlungen abwickeln, Materialien verschicken, Geräte reparieren, Gebäude reinigen, Steuererklärungen erstellen, Sicherheitssysteme warten oder Kundenanfragen bearbeiten. Diese Arbeit mag nicht glamourös sein, muss aber dennoch jeden Tag erledigt werden.

Das ist wichtig, weil Langeweile und Unzufriedenheit nicht immer dasselbe sind. Ein vorhersehbarer Arbeitsplatz kann gut zu jemandem passen, der geregelte Arbeitszeiten, vertraute Aufgaben und wenig Stress schätzt.

Ein anderer Beschäftigter in derselben Position kann sich dagegen eingeengt fühlen – insbesondere dann, wenn die Arbeit keine Möglichkeit mehr bietet, Neues zu lernen, sich weiterzuentwickeln oder über das bloße Erledigen der Aufgaben hinaus einen Sinn zu erkennen.

Langeweile bedeutet nicht immer Vernachlässigung

Fast Company beschreibt Rust-out als den ruhigeren Verwandten des Burn-outs. Burn-out wird in der Regel mit Überlastung, Zeitdruck und zu hohen Anforderungen in Verbindung gebracht. Rust-out hingegen kann entstehen, wenn es an Herausforderungen, Abwechslung und einer echten Verbindung zur Arbeit selbst fehlt.

Das Magazin beschreibt Warnsignale, die sich im normalen Büroalltag zeigen können: weniger Ideen in Besprechungen, knappe Antworten auf Nachrichten, ausgeschaltete Kameras, leichter Sarkasmus und die Gewohnheit, genau das zu tun, was verlangt wird – aber nicht mehr. Für sich genommen wirkt keines dieser Anzeichen dramatisch. Zusammengenommen können sie darauf hindeuten, dass sich jemand innerlich bereits von der Arbeit distanziert hat.

Die Beispiele mit Hundeschlittenfahrten und Wildwasser-Rafting werden nicht als außergewöhnliche Betriebsausflüge vorgestellt. Sie sollen verdeutlichen, wie ungewohnte Situationen Teams dazu zwingen können, klar zu kommunizieren, einander zu vertrauen und Entscheidungen in Echtzeit zu treffen.

Marks betrachtet Lösungen am Arbeitsplatz zurückhaltender. Seiner Meinung nach können Pizza-Mittagessen, Bürohunde oder gesellige Veranstaltungen zwar die Stimmung verbessern, aber nicht jede Tätigkeit sinnvoll erscheinen lassen. Ein Unternehmen muss schließlich weiterhin Rechnungen erfassen, Bestellungen verschicken und Kundenanfragen beantworten.

Genau darin liegt der Kern des Problems. Führungskräfte sollten Anzeichen nachlassenden Engagements nicht ignorieren. Gleichzeitig sollten Beschäftigte sich fragen, was sie eigentlich von ihrer Arbeit erwarten. Manche wünschen sich Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen. Andere legen Wert auf ein verlässliches Einkommen, geregelte Arbeitszeiten und ein erfülltes Leben außerhalb des Berufs.

Kleine Anzeichen können viel verraten

Rust-out verbirgt sich oft hinter Zuverlässigkeit. Der Beschäftigte kommt weiterhin pünktlich, arbeitet den Posteingang ab, reicht die Tabelle ein und nimmt an Besprechungen teil. Von außen betrachtet scheint alles in Ordnung zu sein.

Die Veränderung zeigt sich eher in dem, was verschwindet. Die Person hört auf, Lösungsvorschläge einzubringen. Sie meldet sich nicht mehr freiwillig. Sie beantwortet Fragen, beginnt aber nur noch selten Gespräche. Die Arbeit wird erledigt, doch ihre Präsenz wirkt geringer.

Für Führungskräfte kann genau das der Moment sein, zu handeln – nicht mit einer weiteren App oder einer erzwungenen Teamveranstaltung, sondern mit einem ehrlichen Gespräch über Aufgaben, Arbeitsbelastung, Interessen und mögliche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens.

Für Beschäftigte kann die Antwort anders aussehen. Sie könnten um neue Aufgaben bitten, in eine andere Abteilung wechseln, sich für einen neuen Berufsweg weiterbilden oder akzeptieren, dass ein sicherer Arbeitsplatz wertvoll sein kann, auch wenn er nicht besonders inspirierend ist.

Rust-out ist nicht immer eine Krise. Doch wenn der Arbeitstag nur noch aus Wiederholung, Schweigen und ständigem Blick auf die Uhr besteht, lohnt es sich zu fragen, ob die Stelle noch zu der Person passt, die sie ausübt.

Quellen: The Guardian, Fast Company