Ein neuer Film ist zum Mittelpunkt eines Streits über Zugang, Verbreitung und öffentliche Reaktionen geworden. Die Debatte hat zudem die Aufmerksamkeit erneut auf die Menschen hinter der Produktion gelenkt.
Citizen Vigilante erzählt die Geschichte eines wohlhabenden Geschäftsmanns in einer europäischen Stadt, der das Vertrauen in das Justizsystem verliert und beginnt, gewaltsam Rache zu nehmen. Der Film stellt seine Zielpersonen als kriminelle Migranten dar – ein Ansatz, der dazu beigetragen hat, dass der Thriller äußerst umstritten ist.
Regie führte der Filmemacher Uwe Boll, die Hauptrolle spielt der US-Schauspieler Armie Hammer. Nach Angaben des dänischen Senders DR ist der Film zu einem großen Gesprächsthema geworden, nachdem die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ihm eine reguläre Altersfreigabe verweigert hatte.
Die Entscheidung bedeutet nicht, dass der Film online nicht angesehen werden kann. Doch nach Angaben von DR und Tichys Einblick schafft sie erhebliche Hürden für den regulären Kinostart, den Videovertrieb und die Verbreitung über große Streamingplattformen in Deutschland.
Elon Musk, Eigentümer von X sowie Chef von Tesla und SpaceX, reagierte darauf, indem er den vollständigen Film für 48 Stunden kostenlos auf X veröffentlichte. Auch Boll stellte den Film online und bezeichnete die Entscheidung der FSK als „Zensur“.
Erwachsene werden ausgeschlossen
In Tichys Einblick argumentierte Boll, der Film hätte eine Freigabe für Erwachsene erhalten müssen, anstatt gar keine Altersklassifizierung zu bekommen. Seiner Ansicht nach gehe die Entscheidung der FSK über den Jugendschutz hinaus und beschränke stattdessen den Zugang für erwachsene Zuschauer.
Die Folgen sind sowohl praktischer als auch symbolischer Natur. Ohne reguläre Altersfreigabe ist es unwahrscheinlich, dass deutsche Kinos, Händler, Fernsehsender und große Streamingdienste den Film über die üblichen Vertriebswege anbieten werden.
Boll weist den Vorwurf zurück, der Film verherrliche seine Hauptfigur. Er beschreibt den Protagonisten als egoistisch und moralisch verdorben und erklärte, die Gewaltdarstellung solle zeigen, dass Selbstjustiz zu weit gehe.
DR berichtete, US-Kritiker hätten den Film sowohl als „verstörend“ als auch als stark einwanderungskritisch bezeichnet. Damit ist der Film Teil einer breiteren Debatte über Kriminalität, Migration, Zensur und künstlerische Freiheit geworden.
Hammer gerät erneut in den Fokus
Der Film sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil er Hammers mögliche Rückkehr auf die Leinwand nach mehreren Jahren außerhalb des Hollywood-Mainstreams markieren könnte. Bevor seine Karriere ins Stocken geriet, spielte er in erfolgreichen Filmen wie The Social Network und Call Me by Your Name mit und galt als einer der aufstrebenden Schauspieler Hollywoods.
Das änderte sich 2021, als Hammer mit Vorwürfen unter anderem wegen Vergewaltigung, Missbrauchs, Gewalt, Groomings und kannibalistischer Fantasien konfrontiert wurde. Die Anschuldigungen entwickelten sich rasch zu einem großen Skandal in der Unterhaltungsbranche, und neue Rollenangebote blieben weitgehend aus, während sich die Vorwürfe durch Medienberichte und öffentliche Diskussionen verbreiteten.
Zu den ihm zugeschriebenen Nachrichten gehörte auch eine, in der er sich angeblich als „100 Prozent Kannibale“ bezeichnete. Die Vorwürfe wurden zudem in der Dokumentation House of Hammer aufgegriffen, was die öffentliche Aufmerksamkeit für sein Privatleben und seinen familiären Hintergrund weiter verstärkte.
Die Staatsanwaltschaft erhob 2023 mangels ausreichender Beweise keine Anklage. Dennoch wird seine Rolle in Citizen Vigilante nun aufmerksam als möglicher Comeback-Versuch unter außergewöhnlich schwierigen Umständen beobachtet, wobei die politische Kontroverse um den Film ein weiteres Hindernis für seine Rückkehr darstellt.
DR brachte Musks Engagement mit seinen jüngsten politischen Aktivitäten in Verbindung, darunter seine frühere Unterstützung für die AfD sowie andere rechte europäische Parteien und Politiker. Seine Entscheidung, den Film zu teilen, hat dessen Veröffentlichung damit in eine ohnehin aufgeheizte Debatte über Migration, Zensur und politischen Einfluss im Internet eingebettet.
Quellen: DR, Tichys Einblick
