Die Sicherheitsbehörden beobachten eine zunehmende extremistische Aktivität unter jungen Menschen. Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im Zusammenhang mit Wahlen, Protesten und digitalen Netzwerken.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt, dass extremistische Bewegungen sowohl am rechten als auch am linken Rand zunehmen. Junge Menschen bereiten den Behörden dabei besondere Sorgen, da die politischen Spannungen rund um Demonstrationen, Wahlen und Online-Räume wachsen.
DR berichtet, dass die Behörde ihre jährliche Bewertung der Bedrohungen für die deutsche Demokratie vorgestellt hat. Demnach bleibt der Rechtsextremismus die größte Gefahr.
Das Problem geht über die steigende Zahl von Extremisten hinaus. Nach Angaben des BfV werden radikalisierte junge Menschen immer jünger und sind zunehmend bereit, Gewalt anzuwenden.
Online-Rekrutierung wird immer schwerer einzudämmen
Steen Nørskov, Deutschland-Korrespondent von DR, sagte:
„Das bereitet dem Verfassungsschutz besondere Sorgen. Er geht davon aus, dass die extreme Rechte systematisch daran arbeitet, die nächste Generation in Deutschland zu radikalisieren. Und das geschieht vor allem über das Internet und soziale Medien wie Instagram, TikTok sowie geschlossene Online-Foren.“
Die Rekrutierung über das Internet ist zu einem zentralen Thema in der Sicherheitsdebatte geworden, da Menschen bereits in extremistische Kreise geraten können, bevor sie sich formellen Organisationen anschließen. Geschlossene Foren erschweren zudem die Überwachung radikaler Netzwerke im Vergleich zu öffentlichen Demonstrationen oder Parteiveranstaltungen.
Die Warnung des BfV erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden politischen Polarisierung, bei der Randbewegungen virale Inhalte, Protestkultur und Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen nutzen können, um neue Anhänger zu gewinnen.
Da junge Menschen immer mehr Zeit in digitalen Gemeinschaften verbringen, können sich extremistische Botschaften über unterhaltungsähnliche Inhalte, private Gruppen und die wiederholte Konfrontation mit ideologischer Sprache verbreiten.
Zahl der Extremisten steigt weiter
Nach Schätzungen der Behörden ist die Zahl der Menschen mit rechtsextremistischen Tendenzen von 50.250 im Jahr 2024 auf 58.700 gestiegen.
Dieselbe Bewertung beziffert die Zahl der Linksextremisten auf 42.200 – ein Anstieg gegenüber 38.000 im gleichen Zeitraum.
Nørskov verwies außerdem auf eine Zunahme der Gewalt im Zusammenhang mit politischen Aktivitäten:
„Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte im Zusammenhang mit Demonstrationen steigt. Außerdem gab es bei den jüngsten Wahlen Belästigungen und gewaltsame Angriffe auf Kandidaten sowie auf politische Mitarbeiter, die Wahlplakate aufgehängt haben.“
DR berichtet, dass sich die Polizei auf mögliche Ausschreitungen rund um den Bundesparteitag der AfD am 4. und 5. Juli 2026 in Erfurt vorbereitet.
AfD bleibt unter Druck
In einem separaten Bericht von Reuters, der von The Times of Israel veröffentlicht wurde, heißt es, dass das BfV und das Bundesinnenministerium schätzen, dass rund 28.000 der etwa 70.000 Mitglieder der Alternative für Deutschland ein rechtsextremistisches Potenzial aufweisen könnten.
Im Vorjahr lag diese Zahl laut demselben Bericht bei 20.000.
Nach starken Wahlergebnissen und wachsender Unterstützung in Teilen des Landes ist die AfD zu einer der am genauesten beobachteten politischen Kräfte geworden.
Ihr Aufstieg hat die Debatte darüber verschärft, wie demokratische Institutionen reagieren sollten, wenn einer bedeutenden Partei extremistische Tendenzen vorgeworfen werden.
Das BfV sieht keine Anzeichen dafür, dass sich die AfD von den Positionen distanziert hat, die Anlass für die Beobachtung durch den Verfassungsschutz gegeben haben. Die Partei weist den Vorwurf des Extremismus zurück und bezeichnet die Einschätzungen als politisch motiviert.
Behörden warnen vor weiterreichenden Risiken
Der Bericht verweist auf Björn Höcke, den AfD-Landesvorsitzenden in Thüringen, der ein Umsiedlungsprogramm der Vereinten Nationen als „Bevölkerungsaustausch“ bezeichnete.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat den Rechtsextremismus laut DR als „die größte Bedrohung für die freiheitliche Demokratie“ bezeichnet.
Dobrindt sagte außerdem:
„Von innen stehen wir unter dem Druck von Extremismus jeglicher Art – im digitalen Raum ebenso wie auf der Straße.“
Die jüngsten Warnungen machen deutlich, dass die Radikalisierung junger Menschen, digitale Netzwerke, Straßengewalt und Parteipolitik Teil derselben sicherheitspolitischen Herausforderung sind.
Aus Sicht der Behörden besteht die Sorge, dass sich diese Entwicklungen gegenseitig verstärken, digitale Propaganda in reale Mobilisierung umschlagen kann und extremistische Aktivitäten dadurch noch schwerer einzudämmen sind.
Quellen: DR, The Times of Israel, Reuters, BfV