Die ukrainischen Behörden haben heute mit der Evakuierung von Bewohnern aus mehreren Grenzdörfern begonnen.
Die Ukraine rüstet sich für eine mögliche neue Offensive, da der russische Staatschef Wladimir Putin seine Militärkommandeure angewiesen hat, neue Angriffsrouten auszuarbeiten, einschließlich möglicher Angriffe auf die Hauptstadt Kiew.
Dies ist die Warnung des ukrainischen Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj, die er in einem Interview mit TSN am 30. Juni aussprach.
Der Kreml wünscht sich Optionen. Während ein Angriff aus Belarus weiterhin eine Möglichkeit bleibt, halten ukrainische Beamte eine andere Route für weitaus wahrscheinlicher. Stattdessen deuten aktuelle Erkenntnisse direkt auf die Region Tschernihiw hin.
Aufgrund dieser wachsenden Gefahren ordneten die lokalen Behörden an, dass die Bewohner ab dem 1. Juli zwölf Grenzdörfer evakuieren sollen. Sieben weitere Dörfer müssen ebenfalls geräumt werden.
Schwieriges Gelände voraus
Das Hauptziel eines neuen russischen Vorstoßes wäre es, die ukrainischen Streitkräfte zu zersplittern. Durch die Eröffnung einer neuen Front hofft Moskau, Kiew dazu zu zwingen, Verteidigungseinheiten von den schweren Kämpfen in anderen kritischen Zonen abzuziehen.
Einen erfolgreichen Angriff aus dem Norden zu starten, wird für den Kreml jedoch nicht einfach sein. Syrskyj merkte an, dass die Geografie die ukrainischen Streitkräfte stark begünstige, insbesondere in der Umgebung von Tschornobyl.
„Angesichts der jüngsten Ereignisse glaube ich nicht, dass die Führung von Belarus es wagen wird, dem Aggressor ihr Territorium als Aufmarschgebiet für die Durchführung einer Offensivoperation zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig ziehen wir eine solche Möglichkeit in Betracht“, sagte Syrskyj.
Schweres Militärgerät wird sich in den tiefen nördlichen Sumpfgebieten nur schwer bewegen können. In der Defensive hat die Ukraine die Oberhand. Um einen Vormarsch zu stoppen, haben die Truppen bereits wichtige Brücken entlang des Flusses demontiert.
Risse in Moskau
Während sich die Spannungen an der Grenze verschärfen, regt sich unerwarteter Widerstand direkt aus Russlands Elitekreisen. Eine überraschende Erklärung kam von Herman Gref, dem Chef der Sberbank, Russlands größter Staatsbank.
Auf der Jahreshauptversammlung der Bank erklärte Gref offen, dass das wichtigste Anliegen der russischen Bürger ein rasches Ende der Kämpfe sei. Unabhängige Umfragen zeigten, dass 81 % der Bevölkerung einen sofortigen Stopp der Invasion wünschten.
Laut United24 Media sei der Banker lange Zeit eine entscheidende Stütze für Putin gewesen und habe die Kriegsanstrengungen trotz schwerer internationaler Sanktionen finanziert. Doch seine jüngste Kehrtwende zeige die wachsende Besorgnis über die massiven wirtschaftlichen Schäden, die Russland treffen.