Wie der Kyiv Independent berichtet, haben neun EU-Staaten die Europäische Kommission aufgefordert, der Ukraine zu gestatten, ihren EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro ohne Verzögerung für den Kauf von US-amerikanischen Patriot-Raketen und anderer Verteidigungsgüter zu nutzen.
Neun Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben Brüssel aufgefordert, der Ukraine zu gestatten, EU-Finanzhilfen für den Kauf von US-amerikanischen Verteidigungssystemen, darunter Patriot-Raketen, zu verwenden. Sie argumentieren, dass Kyjiw seine Luftverteidigung dringend verstärken müsse.
Wie der Kyiv Independent berichtet, fordern die Staaten die Europäische Kommission auf, die Genehmigung zu beschleunigen, anstatt die laufenden Überprüfungen des Verteidigungsmarktes abzuwarten.
Gemeinsamer Appell
Das Schreiben, das am 2. Juli unterzeichnet und am 7. Juli veröffentlicht wurde, richtet sich an die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und den EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius.
Nach Angaben des Kyiv Independent forderten die Unterzeichner die Kommission auf, den Antrag der Ukraine unverzüglich zu genehmigen, einen Teil des EU-Kredits in Höhe von 90 Milliarden Euro (103 Milliarden US-Dollar) für den Kauf von Verteidigungsgütern außerhalb Europas zu verwenden.
„Dies wird der Ukraine helfen, den Kampf fortzusetzen und Menschenleben zu schützen“, heißt es in dem Schreiben.
Fokus auf Patriot
Der Appell erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die verstärkten russischen Raketenangriffe den Mangel an modernen Luftverteidigungssystemen in der Ukraine deutlich gemacht haben.
Wie der Kyiv Independent berichtet, werden in dem Schreiben ausdrücklich Patriot-PAC-3-Abfangraketen und taktische ATACMS-Boden-Boden-Raketen erwähnt, die beide vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hergestellt werden.
Nach den derzeitigen EU-Beschaffungsregeln müssen grundsätzlich mindestens 65 Prozent der mit den Mitteln beschafften Verteidigungsgüter aus der Ukraine oder aus EU-Mitgliedstaaten stammen.
Ausnahmeregelungen gefordert
Die Vorschriften erlauben Ausnahmen, wenn ein dringender operativer Bedarf besteht oder keine geeigneten europäischen Alternativen verfügbar sind.
Der Kyiv Independent weist darauf hin, dass die Europäische Kommission bereits im April eine solche Ausnahme genehmigt hatte, sodass die Ukraine chinesische Komponenten für die Drohnenproduktion erwerben konnte.
Dem Bericht zufolge waren die Beschaffungsregeln Gegenstand langwieriger Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten, wobei einige Regierungen die Abhängigkeit Europas von amerikanischen Rüstungsherstellern verringern wollten.
Luftverteidigung hat Priorität
Die Ukraine hat wiederholt um zusätzliche Patriot-Systeme gebeten, da Russland seine Raketen- und Drohnenangriffe auf zivile Gebiete verstärkt.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Vereinigten Staaten aufgefordert, die Produktion von Patriot-Systemen auszuweiten und eine Lizenzfertigung in der Ukraine und Europa zu ermöglichen. Ukrainische Regierungsvertreter haben die Verbündeten zudem aufgefordert, vorhandene Patriot-Systeme aus ihren Beständen bereitzustellen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte die Europäische Kommission nach Angaben des Kyiv Independent noch nicht öffentlich auf die Forderung reagiert.
Quellen: Kyiv Independent