Startseite Politik Präsident Ortega erklärt, Nicaragua werde keine weiteren Wahlen abhalten

Präsident Ortega erklärt, Nicaragua werde keine weiteren Wahlen abhalten

Daniel Ortega president of Nicaragua
Screendump: The Gray Zone / You Tube

Die Ankündigung stürzt das Land erneut in Ungewissheit über die Zukunft seines politischen Systems. Die Behörden haben nicht erläutert, welche formellen Schritte nun folgen sollen.

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega hat erklärt, seine Regierung werde keine weiteren Wahlen zulassen, durch die Oppositionsparteien wieder an die Macht gelangen könnten. Er führte nicht näher aus, wie diese Ankündigung umgesetzt werden soll.

Ortega äußerte sich am 19. Juli während einer Zeremonie zum 47. Jahrestag der sandinistischen Revolution. Die nicaraguanische Publikation Confidencial veröffentlichte seine Äußerungen am folgenden Tag.

„Hier wird es keine weiteren Wahlen geben, bei denen sie [die Oppositionsparteien] versuchen können, die Regierung und die Macht an sich zu reißen“, sagte Ortega.

Der rechtliche Weg bleibt unklar

Die nächsten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen waren für November 2027 angesetzt. Associated Press wertete Ortegas Ankündigung als faktische Absage der Wahl. In den ersten Berichten wurde jedoch weder auf ein neues Gesetz noch auf eine offizielle Anordnung der Wahlbehörden verwiesen.

Ortega erklärte außerdem, seine Regierung werde gemeinsam mit der Nationalversammlung an Maßnahmen arbeiten, die verhindern sollen, dass politische Gegner an die Regierung zurückkehren. Seine Sandinistische Nationale Befreiungsfront kontrolliert das Parlament.

Jede künftige Wahl würde nach Jahren der Einschränkung des politischen Wettbewerbs stattfinden. Vor der Präsidentschaftswahl 2021 inhaftierten die Behörden potenzielle Herausforderer und hinderten Oppositionsparteien daran, einen ernsthaften Wahlkampf zu führen.

Die im Januar 2025 verabschiedeten Verfassungsänderungen verlängerten die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sechs Jahre. Zudem erhoben sie Ortegas Ehefrau Rosario Murillo von der Vizepräsidentin zur Ko-Präsidentin und erweiterten die Befugnisse der Exekutive gegenüber anderen staatlichen Institutionen.

Der Druck reicht über Wahlen hinaus

Der World Report 2026 von Human Rights Watch verweist auf Angaben einer nicaraguanischen Menschenrechtsorganisation, wonach sich im Oktober 2025 mindestens 77 politische Gefangene weiterhin in Haft befanden. Die Organisation dokumentierte zudem Überwachung, Schikanen und willkürliche Inhaftierungen.

Ein Bericht der UN-Expertengruppe für Menschenrechte zu Nicaragua stellte ein sich verschärfendes Muster von Übergriffen gegen im Ausland lebende Nicaraguaner fest. Die Gruppe erklärte, die Regierung habe im Rahmen ihrer Kampagne gegen mutmaßliche Kritiker gezielt den rechtlichen Status, die Beschäftigung und die Bewegungsfreiheit der Betroffenen ins Visier genommen.

Ortega, inzwischen 80 Jahre alt, kehrte 2007 ins Präsidentenamt zurück, nachdem er das Land bereits in den 1980er-Jahren regiert hatte. Seine jüngste Erklärung geht über die bereits verhängten Einschränkungen hinaus. Welche konkreten rechtlichen Folgen sie haben wird, hängt jedoch davon ab, welche Schritte seine Regierung und die Nationalversammlung als Nächstes unternehmen.

Quellen: Confidencial, Associated Press, Human Rights Watch, World Report 2026: Nicaragua