Opfer sollten die Scham nicht tragen: Sextortion ist Missbrauch, kein persönliches Versagen
Laut DR ergab eine Umfrage, dass jede sechste Person in Dänemark im Alter zwischen 15 und 31 Jahren wegen Nacktbildern oder Videos bedroht wurde.
Die Praxis wird oft als Sextortion bezeichnet. Dazu können Erpressung, Grooming, Druck, Geld zu zahlen, oder Forderungen nach weiteren Bildern gehören.
Die Organisation Sex & Samfund (übersetzt: Sex & Gesellschaft) erklärte gegenüber dem dänischen Rundfunk, dass Opfer nicht die Schuld tragen sollten, wenn eine andere Person privates Material missbraucht.
Die Schuld liegt woanders
Jeppe Hald von Sex & Samfund sagte: „Es ist niemals deine Schuld, wenn andere die Bilder missbrauchen, die du verschickt hast.“
Jonas Ravn vom Center for Digital Pædagogik sagte, der Fokus solle auf Prävention und Unterstützung liegen, nicht auf Schuldzuweisungen.
Er sagte gegenüber DR: „Es ist ein gefährlicher Weg zu sagen, dass es deine eigene Verantwortung ist, wenn jemand eine Straftat gegen dich begeht.“
Menschen, die bedroht werden, sollten vermeiden, Geld oder weitere Bilder zu schicken. Sie sollten Screenshots, Benutzernamen, Nachrichten und Zahlungsforderungen sichern, bevor sie die Person blockieren.
In Dänemark können Opfer die Polizei, das Center for Digital Pædagogik oder vertrauenswürdige Erwachsene in Schule oder Familie kontaktieren. In anderen Ländern können auch Polizei, Kinderschutz-Hotlines und Meldesysteme der Plattformen helfen.
Dieser Rat ist wichtig, weil Sextortion oft auf Panik setzt. Eine verzögerte Reaktion kann es erleichtern, Beweise zu sammeln und Unterstützung zu erhalten.
Die Gesetze sind nicht überall gleich
Nach dänischem Recht ist es Personen unter 15 Jahren verboten, sexuelle Bilder von sich selbst zu teilen. Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren dürfen dies innerhalb einer romantischen Beziehung tun, die Bilder müssen jedoch gelöscht werden, wenn die Beziehung endet.
Im Vereinigten Königreich ist es laut NSPCC Learning strafbar, explizite Bilder von Personen unter 18 Jahren zu erstellen oder zu verbreiten. Die Hinweise betonen jedoch, dass das Gesetz Kinder schützen und nicht kriminalisieren soll.
In den USA behandelt das Bundesrecht laut Stop It Now! sexuell explizite Darstellungen von Personen unter 18 Jahren als illegales Material sexuellen Kindesmissbrauchs.
Nach Angaben der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs unterscheidet das deutsche Recht zwischen Kindern und Jugendlichen. Sexuelle Bilder von Jugendlichen sind grundsätzlich strafbar. Eine begrenzte Ausnahme kann jedoch gelten, wenn das Material einvernehmlich erstellt und ausschließlich für den persönlichen Gebrauch aufbewahrt wurde.
Sex & Samfund erklärte gegenüber DR, dass intime Bilder für viele Erwachsene, auch für Menschen über 30, Teil der digitalen Kommunikation geworden sind.
Doch Einwilligung ist entscheidend. Hald sagte, dass das Versenden von Nacktbildern an Personen, die dem Empfang nicht zugestimmt haben, als exhibitionistische Handlung gewertet werden könne.
Ravn sagte, Sextortion unterscheide sich von einvernehmlichem Teilen, weil dabei Täuschung, Grooming und missbrauchtes Vertrauen eine Rolle spielen können.
Einvernehmlich geteilte Bilder können Teil einer Beziehung sein, aber nur, wenn beide Personen dies möchten, sich sicher fühlen und nicht unter Druck gesetzt werden.
Quellen: DR, NSPCC, Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Stop It Now!