Fast jeder zweite Mensch in Deutschland erhält im Laufe seines Lebens eine Krebsdiagnose.
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Diese Zahl wirkt alarmierend, sagt jedoch nicht allein etwas über eine zunehmende Gefährdung aus.
Sie spiegelt vor allem wider, wie stark sich Lebenserwartung, Medizin und gesellschaftliche Bedingungen verändert haben.
Höheres Alter als zentraler Faktor
Krebs tritt überwiegend im höheren Lebensalter auf. Der Mediziner Christof von Kalle vom Berlin Institute of Health erklärt, dass das Erkrankungsrisiko mit jedem Lebensjahr wächst und insbesondere ab etwa 60 Jahren deutlich ansteigt.
Der statistische Hintergrund ist entscheidend: Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen.
Dadurch erreichen heute wesentlich mehr Menschen jene Altersgruppen, in denen Krebserkrankungen häufiger auftreten.
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Medizinischer Fortschritt verändert die Statistik
Auch der medizinische Fortschritt selbst beeinflusst die Krebszahlen. Krankheiten, die früher oft tödlich endeten, lassen sich heute besser behandeln.
Menschen leben länger – und haben dadurch statistisch gesehen eine höhere Wahrscheinlichkeit, im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken.
Hinzu kommt, dass moderne Diagnostik und Vorsorgeuntersuchungen Krebserkrankungen früher und zuverlässiger erkennen.
Laut Statistikexperte Christian Hesse von der Universität Stuttgart ist die Nutzung von Screening-Angeboten deutlich gestiegen. Viele Erkrankungen, die früher unentdeckt geblieben wären, tauchen heute in den Statistiken auf.
Lebensstil und Umwelt als vermeidbare Risiken
Neben Alter und Medizin spielen auch beeinflussbare Faktoren eine Rolle. Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht erhöhen das Krebsrisiko erheblich.
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Von Kalle betont, dass mit dem heutigen Wissen ein großer Teil der Erkrankungen vermeidbar wäre. Auch Umweltbelastungen und bestimmte Infektionen tragen zur Krebsentstehung bei, wobei Impfungen Schutz bieten können.
Mehr Diagnosen, bessere Überlebenschancen
Trotz steigender Fallzahlen sinken die altersbereinigten Sterberaten. Moderne Therapien sorgen dafür, dass viele Menschen länger und besser mit einer Krebsdiagnose leben.
Quellen: BILD, RKI