Sommerurlaube enden oft mit Erinnerungen an warme Ozeane und sonnige Küsten. Doch diese anhaltende Hitze birgt eine dunkle Seite, wenn die Jahreszeiten wechseln. Dieselben badewannenähnlichen Temperaturen, die Touristen anziehen, können schnell etwas viel Zerstörerischeres anfachen.
Aktuell fegt ein heftiges Tiefdrucksystem über das Mittelmeer. Der Sturm bildete sich ursprünglich zwischen Sizilien und Libyen und bewegt sich nun stetig nach Osten.
Südwestgriechenland wurde bereits von starken Regenfällen und Gewittern heimgesucht. Nahe der Stadt Chania auf Kreta fielen am Dienstag in nur einer halben Stunde über 30 Millimeter Regen.
Das Unwetter ist laut DR noch lange nicht vorbei. Es wird voraussichtlich als Nächstes Kreta durchnässen. Danach wird erwartet, dass der Sturm direkt auf die türkische Küste zusteuert.
Auge des Sturms
Meteorologen beobachten das wirbelnde System genau. Der Sturm schwebt derzeit über Oberflächenwasser, das etwa 28 Grad Celsius misst.
Diese extreme Hitze könnte einen gewöhnlichen Sturm in ein hochgefährliches Wetterereignis verwandeln. Meteorologen nennen dieses seltene Phänomen einen Medicane. Der Begriff ist einfach eine moderne Kofferwort aus Mittelmeer (Mediterranean) und Hurrikan.
Diese Hybridstürme verhalten sich ganz anders als normale Regenschauer. Sie ähneln den massiven Hurrikanen, die die Karibik heimsuchen, erzeugen heftige Winde und bilden sogar ein klares Auge in ihrem Zentrum.
Geister der Vergangenheit
Die Region hat diesen Albtraum schon einmal erlebt. Im September 2023 löste ein massiver Sturm namens Daniel in Teilen Griechenlands und Nordafrikas historische Überschwemmungen aus.
Die Folgen waren katastrophal. Zwei große Dämme brachen nahe der libyschen Küstenstadt Derna, und die reißenden Fluten töteten schätzungsweise 5.900 Menschen.
Die Geschichte ist voller solcher Warnungen. Medicane Ianos traf die griechische Küste drei Jahre zuvor und erreichte das Land mit Winden, die einem Hurrikan der Kategorie 2 entsprachen, schreibt DR.
Öl ins Feuer
Ein sich wandelndes Klima macht diese extremen Ereignisse wahrscheinlicher. Das Mittelmeer hat sich in den letzten 40 Jahren stetig um 1,4 Grad Celsius erwärmt.
Die Oberflächentemperaturen des Meeres brachen laut Daten von Mercator Ocean International den ganzen Sommer über historische Rekorde. Der Monat August war besonders brutal. Er erreichte einen beispiellosen Durchschnitt von 28,3 Grad im gesamten Mittelmeerbecken.
Wärmeres Wasser wirkt wie hochoktaniger Treibstoff für Wettersysteme. Experten warnen, dass die Gesamtzahl der Stürme zwar sinken könnte, die sich bildenden Stürme jedoch deutlich stärker werden.
Quellen: DR, Mercator Ocean International