Bericht zufolge verwenden russische Shahed-Drohnen weiterhin deutsche Elektronik.
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Elektronische Bauteile deutscher Unternehmen tauchen trotz der Sanktionen der Europäischen Union, die nach Moskaus umfassender Invasion verhängt wurden, weiterhin in russischen Militärdrohnen auf, die in der Ukraine eingesetzt werden.
Eine Untersuchung der Deutschen Welle unter Berufung auf den ukrainischen Militärgeheimdienst beleuchtet das Ausmaß des Problems und wirft Fragen dazu auf, wie die Komponenten nach Russland gelangen.
Identifizierte Komponenten
Wie die Deutsche Welle am 13. Februar berichtete, wurden in mehreren Versionen der russischen „Geran“-Drohnen – der russischen Bezeichnung für die iranisch entwickelten Shahed-UAVs – in Deutschland hergestellte Transistoren und andere elektronische Bauteile identifiziert.
Das Thema rückte im Januar 2026 erneut in den Fokus, als eine neuere, strahlgetriebene Variante, die Geran-5, analysiert wurde. Der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) veröffentlichte später entsprechende Erkenntnisse auf seinem Portal „War&Sanctions“, in dem aus zerlegten russischen Waffen geborgene ausländische Komponenten dokumentiert werden.
Laut von der Deutschen Welle zitierten HUR-Daten wurden 137 in Deutschland hergestellte Komponenten in russischer Militärausrüstung erfasst. Mehr als die Hälfte davon fand sich in Drohnen, weitere in Raketen, Radarsystemen, Militärfahrzeugen und Hubschraubern.
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Wichtige Hersteller
Am häufigsten wurden Transistoren identifiziert, von denen rund 50 verschiedene Typen dokumentiert sind. Weitere Bauteile umfassen Pumpen, Induktivitäten, Generatoren, Kondensatoren, Transformatoren und Batterien.
Der bayerische Konzern Infineon Technologies ist laut HUR für 58 der 137 gelisteten deutschen Komponenten verantwortlich, überwiegend Transistoren, die in UAVs eingesetzt werden, berichtete die Deutsche Welle.
Weitere Bauteile wurden zu EPCOS AG (heute TDK Electronics), Würth Elektronik und Pierburg, einer Tochtergesellschaft von Rheinmetall, zurückverfolgt.
Auch Komponenten von Bosch, darunter ein Drucktaster und eine Kraftstoffpumpe, wurden in bestimmten Drohnenmodellen identifiziert.
Nach Schätzungen des ukrainischen Geheimdienstes enthält jede Drohne der Geran-Serie zwischen acht und zwölf in Deutschland hergestellte Transistoren. HUR erklärte zuvor, Russland plane, im Jahr 2025 insgesamt 40.000 Geran-2-Drohnen zu produzieren – was bedeuten würde, dass jährlich Hunderttausende solcher Komponenten benötigt werden.
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Lieferwege hinterfragt
Ein Vertreter des HUR sagte der Deutschen Welle, russische Hersteller ließen häufig die ursprünglichen Kennzeichnungen auf den Bauteilen bestehen, was auf eine systematische Beschaffung hindeute.
„Infineon-Transistoren werden in einer Vielzahl von Haushaltsgeräten und Alltagsprodukten verwendet, daher gibt es offenbar keine Probleme, sie in den erforderlichen Mengen zu erwerben“, so der Vertreter.
HUR geht davon aus, dass viele Komponenten in Deutschland über Zwischenhändler beschafft und anschließend über Drittländer oder Schmuggelkanäle weitergeleitet werden.
Der Sanktionsexperte Professor Viktor Winkler äußerte gegenüber der Deutschen Welle jedoch den Verdacht, dass möglicherweise direkte kriminelle Vermittler innerhalb Deutschlands beteiligt seien.
„Meiner Einschätzung nach geht es hier nicht um ein Drittland oder indirekte Lieferwege, sondern um eine äußerst kriminelle direkte Verbindung“, sagte er.
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Breitere Abhängigkeit
In einem separaten Bericht vom 9. Februar stellten Frontelligence Insight und die Analysegruppe Dallas fest, dass Russlands Artillerieproduktion im Werk Nr. 9 in Jekaterinburg stark auf hochpräzise Maschinen aus Westeuropa und Taiwan angewiesen ist.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass „nahezu alle kritischen Produktionsschritte im Werk Nr. 9 … weiterhin auf hochpräzise Industrieausrüstung aus Europa und Ostasien angewiesen sind“, was Russlands fortbestehende Abhängigkeit von ausländischer Technologie unterstreicht.
Quellen: Deutsche Welle, Ukrainischer Militärgeheimdienst (HUR), Frontelligence Insight