Laut einem ehemaligen Drohnenoperator ist es keine 100-prozentige Todeszone, „aber man ist definitiv in Gefahr“.
Versorgungslinien sind das unsichtbare Rückgrat jeder Kampftruppe. Wenn Lastwagen auf ruhigen Straßen, kilometerweit von der Gefahr entfernt, rollen, erwarten die Fahrer relative Sicherheit.
Dieses Sicherheitsgefühl schwindet rapide entlang der Autobahnen in der Ukraine – auf der russischen Seite der Frontlinie.
Augen am Himmel
Ukrainische Streitkräfte haben eine aggressive neue Welle von Mittelstrecken-Angriffsdrohnen eingeführt, die direkt auf russische Transportrouten abzielen.
Diese ferngesteuerten Fluggeräte, die bis zu 300 Kilometer hinter der Frontlinie operieren, schließen eine entscheidende operative Lücke. Sie positionieren sich genau zwischen winzigen Frontaufklärern und strategischen Langstreckenbombern.
Durch die direkte Montage von Starlink-Satellitenterminals an den Fluggeräten halten die Piloten zuverlässige Internetverbindungen über große Entfernungen aufrecht.
Diese erweiterte Reichweite ermöglicht es den Besatzungen, sich frei über wichtige Hauptversorgungsrouten zu bewegen, und verwandelt routinemäßige Transportfahrten in Überlebenstests mit hohem Risiko.
Jagd auf den Autobahnen
Business Insider berichtete, dass Operatoren nun Ziele tief in Gebieten jagen, die einst als sicher galten.
Der ehemalige Drohnenoperator Dmytro Zhluktenko erklärte, dass stark befahrene Straßen diese Missionen äußerst effektiv machen. Er bemerkte, dass „diese Autobahnen so stark mit Militärlogistik beladen sind, dass es sehr schwer wäre, keine Ziele zu finden“.
Fahrer, die diese Routen befahren, sind einem kontinuierlichen Risiko ausgesetzt. Wie Zhluktenko es ausdrückte: „Es ist keine 100-prozentige Todeszone, aber man ist definitiv in Gefahr“.
Diese Angriffe treffen kritische Anlagen wie Munitionsdepots, Transportknotenpunkte und Kommandoposten und stürzen die Versorgungsplanung ins völlige Chaos.
Die Verteidigung überdehnen
Diese tieffliegenden Bedrohungen zu stoppen, hat sich für die Luftverteidigung als äußerst schwierig erwiesen.
Russische Luftverteidigungssysteme sind bereits dünn über mehrere aktive Kampfsektoren hinweg verteilt. Die Umleitung schwerer Raketeneinheiten zum Schutz von Straßen auf Mitteldistanz schafft gefährliche Schwachstellen an anderer Stelle.
Zhluktenko wies darauf hin, dass selbst der Einsatz von Abfangdrohnen massive Ressourcen verschlingen würde. „Es ist also sowieso eine Win-Win-Situation“, sagte er. „Wir erweitern für sie lediglich die Gefahrenzone“.
Die Versorgungslinien ersticken
Ende Mai enthüllte das Verteidigungsministerium der Ukraine die neue Initiative „Logistics Lockdown“, die darauf abzielt, russische Operationen zu lähmen. Sie zielt auf Lagerhäuser, Kommandoposten und Transportrouten tief im Hinterland ab.
Durch die Zerstörung dieser wichtigen Knotenpunkte zielt Kiew darauf ab, die offensive Dynamik des Feindes vollständig zum Stillstand zu bringen.
Um dies zu erreichen, weitet das Militär seinen Einsatz von Mittelstrecken-Angriffsdrohnen aus. Dabei handelt es sich um spezialisierte Waffen, die darauf ausgelegt sind, dutzende oder hunderte Kilometer tief in feindliches Gebiet zu fliegen.
Ukrainische Streitkräfte haben diese Tiefschläge in den letzten Monaten bereits vervierfacht, was einen spürbaren Rückgang der russischen Frontangriffe zur Folge hatte.
Auch die menschlichen Kosten für Moskau steigen weiterhin dramatisch an. Offizielle Daten zeigen, dass russische Streitkräfte im Oktober 67 Soldaten pro erobertem Quadratkilometer verloren. Bis April war diese Zahl auf 179 Soldaten pro Quadratkilometer explodiert. Die gesamten monatlichen Verluste übersteigen nun 35.000 Soldaten.
Geld für Drohnen
Erhebliche Mittel treiben bereits die erste Phase an. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben Behörden 5 Milliarden ukrainische Hrywnja (fast 113 Millionen USD) direkt an die leistungsstärksten Frontlinieneinheiten geschickt.
Diese Finanzierung läuft über ein digitales System namens ePoints, das es Brigaden ermöglicht, sofort fortschrittliche Drohnen zu kaufen.
Die Technologie hat der Ukraine einen Vorteil verschafft, insbesondere nachdem russische Truppen den Zugang zu Starlink-Satellitendiensten verloren hatten. Als Nächstes werden große öffentliche Ausschreibungen die Produktion hochfahren. Dieses zentralisierte Ausschreibungsverfahren soll den Wettbewerb unter den Herstellern fördern und gleichzeitig Korruptionsrisiken konsequent minimieren.