Vorwürfe über geheime Tests und gezielte Täuschung haben eine Kontroverse um die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit zwischen Washington und Kyjiw ausgelöst.
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Online kursierende Berichte suggerierten einen dramatischen Bruch, geprägt von verdeckten Methoden und Misstrauen.
Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass die Behauptungen auf einer Fehlinterpretation einer Fernsehdiskussion beruhen und nicht auf bestätigter Berichterstattung.
Viraler Vorwurf
In den vergangenen Tagen behaupteten Beiträge in sozialen Netzwerken, der ukrainische Geheimdienst habe US-Behörden bewusst falsche strategische Informationen zugespielt, um zu prüfen, ob diese an Russland weitergegeben würden.
Der Vorwurf wurde dem französischen Fernsehsender LCI zugeschrieben und verbreitete sich rasant, nachdem ein Beitrag auf X erklärte, ukrainische Stellen hätten Washington mit fingierten Daten versorgt, die anschließend angeblich von russischen Streitkräften genutzt worden seien.
Der Beitrag enthielt einen Screenshot aus der Sendung 24H Pujadas, einem aktuellen Nachrichtenformat von LCI.
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Faktencheck widerspricht
Die Faktencheck-Plattform Lead Stories erklärte, die Behauptung sei falsch und beruhe auf einer Fehlinterpretation von Aussagen im französischen Fernsehen.
Laut Lead Stories gibt es keinerlei Belege dafür, dass die Ukraine den Vereinigten Staaten absichtlich falsche Geheimdienstinformationen als Test geliefert habe.
Stattdessen gehe die Kontroverse auf einen Fernsehbeitrag mit Vincent Crouzet zurück, der sich mit Spannungen und Misstrauen zwischen ukrainischen und amerikanischen Geheimdiensten befasste.
Was tatsächlich gesagt wurde
In der LCI-Sendung vom 16. Januar sprach Crouzet über die wachsende Rolle französischer Nachrichtendienste bei der Unterstützung der Ukraine.
Der Beitrag folgte auf Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wonach Frankreich inzwischen rund zwei Drittel der Geheimdienstunterstützung für die Ukraine leiste.
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Crouzet erklärte, diese Entwicklung spiegele einen Bruch zwischen ukrainischen und amerikanischen Geheimdiensten wider. Er argumentierte, Kyjiw habe den Informationsaustausch mit Washington wegen Sorgen über mögliche Leaks nach Moskau reduziert.
Vertrauensbruch
Nach Angaben von Crouzet reicht der Vertrauensverlust bis zum 28. Februar 2025 zurück, nach einem von ihm so bezeichneten „Vorfall im Oval Office“.
Er sagte, ukrainische Spitzenbeamte, darunter der damalige SBU-Chef Wassyl Maljuk und der Leiter des Militärgeheimdienstes Kyrylo Budanow, hätten beschlossen, keine sensiblen Informationen mehr mit US-Partnern zu teilen, weil sie Lecks vermuteten.
Die Aussagen bezogen sich auf eine Aussetzung oder Reduzierung des Geheimdienstaustauschs, nicht auf die gezielte Weitergabe falscher Informationen.
Quellen: Digi24, Lead Stories, LCI