Donald Trump prägt die internationale Politik mit einem Stil, der viele irritiert. Entscheidend sei, Trumps Machtverständnis in der Gegenwart richtig einzuordnen.
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Der Historiker Thomas Weber analysiert im Gespräch mit T-Online das Denken des US-Präsidenten. Seine Einschätzung beschreibt keinen ideologischen Fanatiker, sondern einen Politiker, der Macht über Regeln stellt.
Warum das jetzt zählt
Die Analyse ist gerade jetzt relevant, weil sich die transatlantischen Beziehungen in einer Phase erhöhter Unsicherheit befinden.
Europas Sicherheit, globale Handelsbeziehungen und die Stabilität internationaler Institutionen hängen zunehmend davon ab, wie berechenbar Washington handelt.
Zugleich prägt Trumps Politik den US-Wahlkampf und beeinflusst, wie amerikanische Wähler Demokratie, Staat und internationale Verantwortung wahrnehmen.
Macht statt Programm
Trump wird wiederholt als Faschist bezeichnet und sogar mit Adolf Hitler verglichen. Diese Einordnung hält Weber für falsch, wie er gegenüber T-Online erklärt. Weber macht zugleich deutlich, dass von Trump dennoch ein erhebliches Gefahrenpotenzial ausgehe.
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Trump folge keiner geschlossenen Ideologie, sondern einem radikalen Machtdenken, das sich flexibel an Situationen anpasse.
Gerade dieses Fehlen einer festen Doktrin unterscheide den Trumpismus von historischen Diktaturen. Entscheidungen entstünden weniger aus Weltanschauung als aus persönlichem Nutzenkalkül.
Ordnung durch Stärke
Nach Webers Analyse betrachtet Trump die internationale Politik als Raum ohne verbindliche Regeln. Recht spiele eine untergeordnete Rolle, entscheidend seien Stärke und Durchsetzungsfähigkeit.
Anders als Adolf Hitler sehe Trump Krieg jedoch nicht als zwangsläufig. Militärische Gewalt werde nur dort eingesetzt, wo sie begrenzt, kontrollierbar und politisch verwertbar sei.
Begrenzte Eskalation
Militär diene Trump vor allem als Drohkulisse. Ziel sei Abschreckung und Disziplinierung, nicht dauerhafte Konfrontation.
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Weber betont, dass Trump kein Pazifist sei. Doch im Unterschied zu totalitären Herrschern verstehe er Krieg weder als notwendig noch als ideologisch aufgeladen.
Vormoderner Herrscher
Weber beschreibt Trumps Politikstil als patrimonialistisch. Der Präsident agiere, als seien Institutionen persönliche Werkzeuge.
Loyalität werde höher bewertet als Verfahren. Staatliche Strukturen hätten für Trump nur insofern Bedeutung, als sie seine Macht absichern.
Gefahr für Verbündete
Für Europa entstehe daraus ein Risiko. Bündnisse würden nicht als Wertegemeinschaften verstanden, sondern als Tauschbeziehungen.
Weber rät zu strategischer Standfestigkeit. Einschüchterung dürfe nicht zu Nachgiebigkeit führen.
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Risse im Inland
Innenpolitisch wachse die Unzufriedenheit. Viele Wähler hätten wirtschaftliche Entlastung erwartet, stattdessen dominierten Sorgen um Lebenshaltungskosten.
Besonders der Umgang der Regierung mit den Epstein-Files habe Vertrauen zerstört. Weber sagt, dies habe Trump „mit voller Wucht“ getroffen und könne langfristig seinen politischen Rückhalt untergraben.
Weber zufolge wird Trumps politischer Rückhalt weniger durch ideologische Geschlossenheit bestimmt als durch die Frage, ob seine Politik spürbare Ergebnisse liefert. Bleibt eine Verbesserung der Lebensrealität aus, könnte der Druck auf ihn weiter wachsen.
Quelle: T-Online