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Putin ist nicht mehr „der Boss“: Russische Insider verspotten ihn nun als „Großvater“

Vladimir Putin, Sauli Niinistö
Пресс-служба Президента Российской Федерации / Wiki Commons

Private Einstellungen innerhalb der russischen Machtelite verändern sich auf eine Weise, die öffentlich kaum sichtbar ist.

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Laut einer russischen Ökonomin zeigen Gespräche unter den Eliten inzwischen wachsende Distanz, Enttäuschung und leisen Spott gegenüber dem Mann, der einst unangefochtene Autorität besaß.

Veränderter Ton

Bis Anfang 2022 galt Wladimir Putin unter Russlands Elite weithin als rationaler Entscheidungsträger und wurde häufig als „der Boss“ bezeichnet.

Diese Einschätzung habe sich mit dem Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine abrupt geändert, sagt die russische Ökonomin Alexandra Prokopenko.

Gegenüber der deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärte Prokopenko, die Unzufriedenheit mit Putin wachse auf den höchsten Ebenen der Macht kontinuierlich.

Vor dem Krieg

Prokopenko zufolge wurden Putins zunehmende Fixierung auf Geschichte und sein Rückzug aus wirtschaftlichen Detailfragen vor Februar 2022 weitgehend toleriert.

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Diese Eigenschaften galten als harmlose Eigenheiten eines alternden Autokraten und nicht als Gefahr für den Staat.

Trotz interner Bedenken glaubten die Eliten weiterhin, Putin werde pragmatisch handeln und Entscheidungen mit extremen Risiken vermeiden.

Bruchpunkt

Dieses Vertrauen brach zusammen, als Putin den Einmarsch in die Ukraine anordnete.

Laut Prokopenko hatten viele innerhalb der Elite nicht damit gerechnet, dass er einen groß angelegten Krieg beginnen würde, da sie annahmen, er werde politische und wirtschaftliche Folgen abwägen.

Als sich diese Annahme als falsch erwies, wich der Respekt schnell Enttäuschung und im privaten Rahmen auch Spott.

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Ein scharfer Spitzname

In Gesprächen hinter verschlossenen Türen werde Putin inzwischen häufig als „Ged“ bezeichnet, was „Großvater“ bedeutet, so Prokopenko.

Eine ihrer Quellen beschrieb ihn unverblümt: „Ged mag einfach Spielzeugsoldaten.“

Prokopenko sagte, diese Formulierung spiegele wider, wie Teile der Elite Putin inzwischen als vom Krieg fasziniert, aber von dessen realen Folgen abgekoppelt wahrnehmen.

Leben in einer Blase

Der Spitzname beziehe sich nicht nur auf das Alter, sondern auf die zunehmende Isolation von der Realität.

Putin werde immer häufiger als jemand gesehen, der in seiner eigenen Welt lebe, in der Krieg zu einer abstrakten Übung werde und nicht zu einer menschlichen und wirtschaftlichen Katastrophe.

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Laut Prokopenko werden die Informationen, die den Präsidenten erreichen, oft gefiltert und beschönigt.

Das System begünstige inzwischen jene, die gute Nachrichten überbrächten, statt ehrliche Einschätzungen zu liefern.

In der Folge verstärkten verzerrte wirtschaftliche und militärische Berichte Putins Isolation und vertieften die Kluft zwischen Entscheidungsfindung und Realität.

Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung, La.lv.

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