Startseite Krieg Putin kritisiert Londoner Gerichte: Sie seien „nicht rechtsbasiert“

Putin kritisiert Londoner Gerichte: Sie seien „nicht rechtsbasiert“

Vladimir Putin
Fotosr52 / Shutterstock.com

Putin nahm kein Blatt vor den Mund, als er die jüngsten Entscheidungen aus diesen europäischen Städten beschrieb.

Wenn Unternehmen grenzüberschreitend tätig sind, verlassen sie sich üblicherweise auf neutralen Boden, um ihre Streitigkeiten beizulegen.

Doch dieses globale Vertrauenssystem beginnt unter dem Gewicht geopolitischer Spannungen Risse zu bekommen.

Nun kritisiert ein Staatschef die Schiedsrichter direkt.

Schuldzuweisung

Globale Unternehmen haben jahrelang europäische Zentren genutzt, um geschäftliche Meinungsverschiedenheiten zu klären.

Diese wurden als nahezu neutraler Boden wahrgenommen. Städte wie London und Stockholm bauten ihren Ruf auf Fair Play und strengen Regeln auf.

Russische Unternehmen nutzten diese Gerichte jahrelang. Sie brachten ihre Vertragsstreitigkeiten und komplexen Handelsfragen nach Westeuropa, um eine verlässliche endgültige Entscheidung zu erhalten.

Doch diese Ära der stillen Zusammenarbeit ist zerbrochen. Laut einem aktuellen Bericht von TASS wirft die russische Regierung diesen etablierten Rechtszentren nun vor, das Recht zu missachten.

Ein hochrangiges Treffen

Der russische Präsident Wladimir Putin hielt kürzlich ein Treffen in Moskau ab. Er traf sich mit Sergej Katyrin. Katyrin leitet die russische Industrie- und Handelskammer.

Die beiden Männer nutzten das Treffen, um das westliche Rechtssystem ins Visier zu nehmen. Sie hegten einen tiefen Groll. Europäische Schiedsgerichte, so behaupteten sie, arbeiteten aktiv gegen russische Geschäftsinteressen.

Der Fokus ihres Zorns war spezifisch. Sie verwiesen auf die internationalen Schiedsgerichte im Vereinigten Königreich und in Schweden und argumentierten, das System sei kaputt.

Rechtswidrig und politisch

Putin nahm kein Blatt vor den Mund, als er die jüngsten Entscheidungen aus diesen europäischen Städten beschrieb. Er betrachtet die Situation als einen vorsätzlichen Angriff auf den Unternehmenssektor seines Landes.

„Sie erlassen Urteile, die nicht auf Recht basieren“, sagte Putin während des Austauschs, wie von TASS berichtet wurde.

Katyrin stimmte dem russischen Staatschef schnell zu. Er ging mit der Anschuldigung noch einen Schritt weiter, indem er die Motive hinter den Gerichtsentscheidungen infrage stellte.

„Ja, sie sind politisch motiviert“, fügte Katyrin hinzu.

Die weitreichenden Folgen

Russische Unternehmen sehen sich in traditionellen Finanzzentren nach den massiven westlichen Sanktionen einem zunehmend feindseligen Umfeld gegenüber.

Viele westliche Anwaltskanzleien haben russische Klienten vollständig fallen gelassen.

Gleichzeitig kämpfen internationale Gerichte mit einem riesigen Rückstau komplexer Streitigkeiten, die oft mit eingefrorenen Vermögenswerten und abrupt gekündigten Verträgen verbunden sind.

Der Kreml hat London und Stockholm nun als voreingenommen gebrandmarkt.

Infolgedessen werden russische Unternehmen sich anderweitig umsehen. Sie könnten ihre Rechtsstreitigkeiten in befreundete Gerichtsbarkeiten in Asien, Afrika oder dem Nahen Osten verlagern.

Quellen: TASS