Die russische Ölproduktion kann derzeit weniger als zwei Drittel des inländischen saisonalen Bedarfs decken, wie Zahlen zeigen.
Russland steht vor einer schweren Energiekrise, da seine Ölverarbeitungskapazitäten auf ein Niveau fallen, das seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.
Laut Bloomberg haben erfolgreiche ukrainische Angriffe auf die Treibstoffinfrastruktur die Raffinerien des Landes lahmgelegt. Die Folgen beginnen, sowohl lokale Autofahrer als auch die globalen Märkte zu beeinträchtigen.
Nach Angaben der OPEC, die von Bloomberg zitiert werden, ist die russische Rohölproduktion unter neun Millionen Barrel pro Tag gefallen – das geringste Volumen seit Februar 2024.
Betrachtet man das Verarbeitungsvolumen, sind die Zahlen für den Kreml noch schlechter. Russische Raffinerien verarbeiteten täglich durchschnittlich nur 3,91 Millionen Barrel Rohöl.
Das ist der niedrigste Stand, der seit März 2005, also vor mehr als zwei Jahrzehnten, verzeichnet wurde, und damit 1,4 Millionen Barrel pro Tag weniger als vor einem Jahr.
Russland hat das Öl, kann es aber nicht nutzen
Die Ölproduktion ist die Gewinnung von Rohöl aus dem Boden.
Die Verarbeitung (oder Raffinierung) ist der chemische Prozess, der dieses Rohöl in nutzbare Kraftstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin umwandelt.
Die Kampagne der Ukraine zielt auf Letzteres ab, was bedeutet, dass Russland zwar über reichlich Rohöl verfügt, aber die Fähigkeit verliert, es in Treibstoff umzuwandeln.
Um die Knappheit zu bewältigen, verbot Moskau die meisten Dieselexporte bis Ende Juli. Diese Entscheidung folgt auf frühere Beschränkungen für Benzin und Kerosin.
Da Russland ein wichtiger Lieferant ist, trieb der Exportstopp die globalen Preise schnell auf Mehrjahreshöchststände.
Angriffe treffen ins Mark
Die Ursache der Krise ist eine hochwirksame Drohnenkampagne. Bloomberg schätzte, dass die Ukraine in nur 100 Tagen etwa 50 Angriffe auf Treibstoffanlagen verübte.
Diese Angriffe beschädigten mindestens 24 der 34 großen Raffinerien Russlands.
Die Messung des tatsächlichen Ausmaßes der Zerstörung bleibt eine enorme Herausforderung. Da der Kreml seine offiziellen Treibstoffdaten als geheim eingestuft hat, müssen Experten alternative Wege finden, um die Schäden zu bewerten. Um das Gesamtbild zusammenzusetzen, nutzen sie Satellitenbilder und überwachen die Transportlogistik.
Sogar Russlands Präsident Wladimir Putin sah sich gezwungen, das Problem anzusprechen. Während einer kürzlichen Rede gab er zu, dass die Angriffe „bestimmte Probleme mit Erdölprodukten“ im ganzen Land verursacht hätten. Dennoch besteht er darauf, dass die Lage unter Kontrolle sei.
Truppen spüren den Engpass
Die Auswirkungen sind bereits direkt an der Front spürbar. Nach Angaben der Widerstandsbewegung Atesh hat das russische Militärkommando in der Südukraine mit der Treibstoffrationierung begonnen. Dies bedeutet, dass Luftverteidigungseinheiten nun strengen Lieferbeschränkungen unterliegen.
Im eigenen Land spüren auch normale Bürger den Engpass, da die inländische Benzinproduktion einbricht.
Derzeit decken lokale Anlagen nur 65 % des saisonalen Bedarfs, berichtete Reuters am 10. Juli. Drohnenangriffe haben mehrere der größten Raffinerien des Landes außer Gefecht gesetzt und eine massive Lücke hinterlassen, die die Behörden nur schwer schließen können.