Neue Zahlen aus ukrainischen Quellen sowie westliche Forschung lenken die Aufmerksamkeit erneut auf das Ausmaß der Verluste im Krieg mit Russland. Die genauen Zahlen bleiben umstritten und sind in vielen Fällen nicht überprüfbar. Dennoch ist die Entwicklung klar erkennbar: Die Verluste nehmen zu, nicht ab. Insgesamt deuten jüngste Aussagen und längerfristige Studien auf einen Konflikt hin, der zunehmend von Ausdauer statt von entscheidenden Durchbrüchen geprägt ist.
Eine Analyse des Center for Strategic and International Studies (CSIS) vom Januar 2026 beschreibt den Krieg als langsamen, zermürbenden Kampf. Sie schätzt, dass die russischen Streitkräfte bis Ende 2025 nahezu 1,2 Millionen Verluste erlitten haben.
Diese Zahl ist bemerkenswert, selbst unter Berücksichtigung der Unsicherheit. Moderne Kriege führen selten zu Verlusten in dieser Größenordnung, ohne dass es zu dramatischen territorialen Veränderungen kommt.
Stattdessen beschreibt der Bericht ein Schlachtfeld, auf dem Fortschritte oft nur in sehr kleinen Schritten erzielt werden. In einigen Gebieten werden Geländegewinne in Dutzenden von Metern pro Tag gemessen. Die Kosten bleiben jedoch durchgehend hoch.
Vieles davon hängt mit der Art der Kämpfe zusammen. Dichte Verteidigungslinien, Minenfelder und ständige Drohnenüberwachung haben selbst kleinere Angriffe riskant gemacht. Was früher ein routinemäßiger Vormarsch gewesen wäre, hat heute erhebliche menschliche Konsequenzen.
Führung hebt Ungleichgewicht hervor
In diesem Kontext sind auch die jüngsten politischen Äußerungen zu sehen. Anfang dieser Woche wies der finnische Präsident Alexander Stubb auf das hin, was er als deutliches Ungleichgewicht bei den Verlusten bezeichnete.
„In den vergangenen vier Monaten — entschuldigen Sie die Düsternis, und ich weiß, dass dies harte Worte sind, aber in den vergangenen vier Monaten hat die Ukraine jeden Monat 30.000 bis 35.000 russische Soldaten getötet oder verwundet“, sagte er laut The New Voice of Ukraine.
Er ging noch weiter und deutete an, dass bis zu fünf russische Soldaten für jeden getöteten ukrainischen Soldaten verloren gehen.
Dieses Verhältnis kann nicht unabhängig überprüft werden, und solche Angaben sollten mit Vorsicht behandelt werden.
Dennoch kursieren ähnliche Schätzungen seit einiger Zeit unter westlichen Beobachtern, auch wenn die genauen Verhältnisse variieren.
Angaben, Daten und Grenzen
Kiew veröffentlicht weiterhin tägliche Updates vom Schlachtfeld und beziffert die gesamten russischen Verluste auf etwa 1,3 Millionen, einschließlich Gefallener und Verwundeter. Die täglichen Verluste liegen demnach weiterhin im dreistelligen Bereich.
Vertreter des ukrainischen Militärs argumentieren, dass Drohnen inzwischen eine entscheidende Rolle spielen und in einigen Sektoren möglicherweise bis zu 90 Prozent der russischen Verluste ausmachen. Sollte dies zutreffen, wäre es eine der bedeutendsten taktischen Veränderungen des Krieges bislang.
Es gibt jedoch klare Grenzen dessen, was bestätigt werden kann. Moskau veröffentlicht selten vergleichbare Zahlen, und unabhängige Überprüfungen sind rar.
Die Zahlen stammen aus einer Mischung aus offiziellen Erklärungen, Geheimdienstschätzungen und Berichten vom Schlachtfeld, die jeweils ihre eigene Fehlermarge aufweisen.
Selbst unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen bleibt das Gesamtbild bestehen. Die Verluste sind weiterhin hoch und anhaltend.
Für Russland wirft dies unangenehme Fragen hinsichtlich Personal und Durchhaltefähigkeit auf.
Für die Ukraine unterstreicht es eine andere Herausforderung: wie lange sie ihre defensive Widerstandsfähigkeit unter konstantem Druck aufrechterhalten kann.
Quellen: The New Voice of Ukraine, Center for Strategic and International Studies (CSIS)