Startseite Krieg Russland zieht Rheinmetall in geheimen Gerichtsstreit um 47 Millionen Euro

Russland zieht Rheinmetall in geheimen Gerichtsstreit um 47 Millionen Euro

Rheinmetall, logo
Alexander Fedosov / Shutterstock.com

Selbst wenn Russland den Prozess gewinnt, wird es nahezu unmöglich sein, das Geld einzutreiben.

Russische Behörden nehmen Deutschlands größten Rüstungskonzern Rheinmetall in einem neuen Rechtsstreit ins Visier.

Die Militärstaatsanwaltschaft der Stadt Moskau und ein mit dem russischen Verteidigungsministerium verbundenes Unternehmen fordern eine hohe Entschädigungssumme.

Laut einem Bericht des russischen Nachrichtenportals RBC vom 3. Juni verlangen die Kläger 47,2 Millionen Euro (54,7 Millionen US-Dollar) vom Waffenhersteller.

Warum? Weil Rheinmetall einen Vertrag kündigte, nachdem Russland 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte.

Gefechtsausbildungszentrum

Der Streit geht auf ein ehrgeiziges Abkommen zurück, das im Juni 2011 unterzeichnet wurde. Damals erklärte sich Rheinmetall bereit, in dem Dorf Mulino ein hochmodernes Gefechtsausbildungszentrum für die russischen Landstreitkräfte zu errichten.

Der Vertrag umfasste die „Lieferung eines Live-Trainingssystems sowie die Erbringung von Systemtechnik- und Qualitätskontrolldienstleistungen“.

Das gesamte Projekt kam 2014 abrupt zum Stillstand.

Geopolitik greift ein

Nach Russlands Annexion der Krim verhängten westliche Staaten rasch harte Wirtschaftssanktionen gegen Moskau.

Die deutsche Bundesregierung griff ein und blockierte das Rüstungsgeschäft. Dabei erklärten Regierungsvertreter, dass „die Bundesregierung Militärexporte für nicht vertretbar hält“.

Russland stellte das Ausbildungszentrum schließlich 2015 in Eigenregie fertig. Seitdem fanden dort groß angelegte Militärübungen statt, darunter die strategischen Manöver Zapad-2025, an denen rund 100.000 Soldaten teilnahmen.

Dennoch hat die russische Regierung die verlorene deutsche Investition nie vergessen.

Moskau versuchte bereits zuvor, Rheinmetall vor einem Schweizer Gericht zu verklagen, um das Geld zurückzuerhalten, doch diese Forderungen wurden abgewiesen. Diesmal verfolgen die Staatsanwälte eine andere rechtliche Strategie und berufen sich vor einem russischen Gericht auf „ungerechtfertigte Bereicherung“.

Ein theoretischer Sieg

Das Rechtsteam reichte die Klage beim Moskauer Schiedsgericht ein, doch die Öffentlichkeit wird die Argumente nicht zu hören bekommen, da die zuständigen Behörden beschlossen haben, das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen, um die Offenlegung militärischer Geheimnisse zu vermeiden.

Selbst wenn das Moskauer Gericht zugunsten des Staates entscheidet, dürfte die tatsächliche Eintreibung des Geldes nahezu unmöglich sein.

Der Grund ist einfach: Das deutsche Unternehmen verfügt laut den von RBC befragten Experten über keine nennenswerten Vermögenswerte innerhalb Russlands.

Um das Geld einzutreiben, müsste Russland europäische Gerichte um die Vollstreckung des Urteils ersuchen, was unter den derzeitigen Sanktionen äußerst unwahrscheinlich ist.

Derzeit scheint die gesamte Klage eher eine symbolische Geste als ein realistischer Weg zu einer Entschädigung zu sein.