Einem ukrainischen Sprecher zufolge deuten Geheimdienstinformationen darauf hin, dass russische Soldaten angewiesen worden seien, schlechte Wetterbedingungen auszunutzen.
Wenn das Wetter umschlägt, suchen die meisten Menschen Schutz.
In einem Kriegsgebiet bietet ein heftiges Unwetter jedoch die perfekte Deckung für einen Überraschungsangriff.
Starker Regen und dichter Nebel können die Lage an der Front komplett verändern. Da russische Truppen ihre Operationen nahe der ukrainischen Stadt Orichiw verstärken, berichten ukrainische Militärvertreter, dass Moskau versucht, eine Schlechtwetterperiode zu nutzen, um Infiltrationsgruppen an den ukrainischen Verteidigungsstellungen vorbeizuschleusen.
Der Plan setzt auf schlechte Sicht, um diese kleinen Gruppen zu verbergen. Laut Wladyslaw Woloschyn, einem Sprecher der südlichen Verteidigungskräfte der Ukraine, zeigen Geheimdienstinformationen eine klare Veränderung der russischen Taktik.
„Dies sei hauptsächlich in der Nähe von Orichiw selbst der Fall, wo dem Feind laut unseren Geheimdienstinformationen die Aufgabe erteilt worden sei, die sich verschlechternden Wetterbedingungen auszunutzen, über die Meteorologen derzeit sprächen, um Infiltrations- und Sabotagegruppen in Richtung Orichiw, näher an die Stadt, zu verlegen“, so Woloschyn laut RBC-Ukraine.
Es ist ein angespannter Moment für die örtlichen Verteidiger. Während die Bodentruppen versuchen, sich durch den Nebel zu schleichen, bombardieren russische Flugzeuge das Gebiet aus der Luft.
Regen von Bomben
Der Luftangriff war unerbittlich. Woloschyn erklärte, dass russische Flugzeuge an nur einem einzigen Tag rund zehn gelenkte Bomben auf Orichiw abgeworfen hätten.
An der gesamten Südfront ist die Lage noch ernster. Das russische Militär führt täglich bis zu 25 Luftangriffe durch und setzt dabei etwa 100 schwere Bomben gegen zivile und militärische Ziele ein.
Weiter hinter der unmittelbaren Frontlinie wird auch die Stadt Saporischschja schwer getroffen. Jüngste Angriffe haben die zivile Infrastruktur beschädigt und eine Spur der Zerstörung hinterlassen.
Am 9. Juli traf ein Angriff eine örtliche Tankstelle. Dies folgte auf einen ähnlichen Angriff auf eine andere Tankstelle am 6. Juli, bei dem zwei Menschen getötet und neun weitere verletzt wurden.
Kein sicherer Hafen
Auch Wohngebiete blieben nicht verschont. Am Abend des 4. Juli trafen russische Raketen ein Hochhaus und beschädigten wichtige Versorgungsnetze.
Selbst gewöhnliche Arbeitsplätze sind zu Zielen geworden. Ein Drohnenangriff am 3. Juli traf ein Depot von Nova Poshta, dem größten privaten Postunternehmen der Ukraine, wobei ein Mitarbeiter getötet wurde.
Bereits früher am selben Tag trafen Bomben ein örtliches Geschäft und töteten eine Person. Ein weiterer Angriff auf die Stadt verletzte 21 Menschen, darunter einen zwölfjährigen Jungen und ein 16-jähriges Mädchen.