Europas Automarkt hat einen symbolischen Wendepunkt erreicht, da veränderte Verbraucherpräferenzen, neue Wettbewerber und regulatorische Unsicherheiten die Branche neu formen. Neue Daten deuten auf einen Meilenstein hin, auch wenn das langfristige Tempo des Wandels weiterhin umstritten bleibt.
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Der Wandel erfolgt vor dem Hintergrund wachsenden Drucks auf traditionelle Autohersteller und politische Entscheidungsträger gleichermaßen.
Historischer Wendepunkt
Wie Reuters berichtet, überholten die Verkäufe von batterieelektrischen Autos im Dezember erstmals jene von Benzinfahrzeugen in der Europäischen Union, basierend auf von dem Branchenverband ACEA veröffentlichten Zulassungsdaten.
Batterieelektrische Modelle übertrafen auch auf dem breiteren europäischen Markt – einschließlich Großbritanniens und Norwegens – die Benziner. Der Meilenstein wurde erreicht, während die gesamten Autoverkäufe in der Region den sechsten Monat in Folge ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr verzeichneten.
Die Zahlen wurden veröffentlicht, obwohl EU-Politiker zuletzt vorgeschlagen hatten, die Emissionsvorschriften zu lockern.
Schub für die Elektrifizierung
Elektrifizierte Fahrzeuge – darunter batterieelektrische Autos, Plug-in-Hybride und Hybridfahrzeuge – machten im Dezember 67 % der Neuzulassungen in der EU aus, wie ACEA-Daten zeigen.
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Die Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 51 %, während Plug-in-Hybride um 36,7 % zulegten und Hybridfahrzeuge um 5,8 % wuchsen.
Die gesamten Pkw-Verkäufe in der EU erhöhten sich im Dezember um 5,8 % auf knapp eine Million Fahrzeuge, während der Absatz im Gesamtjahr um 1,8 % auf 10,8 Millionen stieg.
Zunehmender Wettbewerb
Der Marktwandel vollzieht sich in einer Phase beschleunigten Wettbewerbs durch chinesische Marken. Reuters zufolge bauen Hersteller wie BYD, Changan und Geely ihre Präsenz in Europa rasch aus.
Gleichzeitig bringen europäische Autobauer wie Volkswagen und BMW neue Elektro-Modelle auf den Markt, um ihre Marktanteile zu verteidigen.
Der Druck zeigt sich jedoch ungleichmäßig. Die Zulassungen stiegen im Dezember bei Volkswagen um 10,2 % und bei Stellantis um 4,5 %, während Renault einen Rückgang von 2,2 % verzeichnete. Die Zulassungen von Tesla fielen im Monatsverlauf um 20,2 %, während jene von BYD um 229,7 % sprunghaft zunahmen.
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Politische Gegenwinde
Im Dezember schlug die EU vor, ein faktisches Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2035 aufzugeben und gab damit dem Druck von Automobilherstellern nach, die mit chinesischer Konkurrenz, US-Importzöllen und Herausforderungen bei der Rentabilität von Elektrofahrzeugen konfrontiert sind.
Dennoch erwarten Branchenbeobachter, dass Elektrofahrzeuge weiter an Boden gewinnen werden.
Chris Heron, Generalsekretär von E-Mobility Europe, sagte gegenüber Reuters, die Hersteller passten sich an, indem sie günstigere Elektroautos auf den Markt brächten, und neue nationale Förderprogramme stützten die Nachfrage.
Vorsichtiger Ausblick
Der unabhängige Autoanalyst Matthias Schmidt erklärte, der Rückgang der Benzinverkäufe spiegele teilweise die Neueinstufung einiger Modelle als Mildhybride wider.
„Es wird noch etwa ein halbes Jahrzehnt dauern, bis reine Elektroautos Verbrenner in der Region tatsächlich überholen, aber dies ist dennoch ein Anfang“, sagte er.
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Quellen: Reuters, ACEA