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Erstmals seit 2018 keine tödlichen schusswaffenvorfälle in schweden im Januar

Ulf Kristersson
FinnishGovernment / Shutterstock

Nach Jahren, die von nahezu ständigen Berichten über Bandenkriminalität geprägt waren, hat Schweden eine unerwartete Atempause erlebt. Neue Zahlen deuten auf einen Wandel hin, den Experten als ermutigend, aber keineswegs als Entwarnung bewerten.

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Forscher warnen, dass die organisierte Kriminalität unter der Oberfläche weiterhin tief verwurzelt ist, berichtet DR News.

Ein ungewöhnlicher Monat

Erstmals seit März 2018 ist im Januar in Schweden niemand durch Schusswaffen getötet worden. Das berichteten mehrere schwedische Medien, darunter der öffentlich-rechtliche Sender SVT, auf den sich DR News bezieht.

Offizielle Polizeistatistiken für 2026 liegen noch nicht vor, doch schwedische Medien haben für den Monat bislang keine tödlichen Schusswaffendelikte registriert.

Der Kontrast zu den Vorjahren ist deutlich. Im Jahr 2025 kamen nach von SVT zusammengestellten Zahlen 43 Menschen durch Schusswaffen ums Leben.

Vorsichtiger Optimismus

Die Entwicklung sei bemerkenswert, insbesondere wenn sie auf einen längerfristigen Trend hindeute, sagt der Kriminologe David Sausdal von der Universität Lund.

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– Im Januar wurden drei Schusswaffenvorfälle registriert, es gab jedoch keine Todesopfer und nur eine verletzte Person.

Gleichzeitig betont Sausdal, dass der Rückgang der Todesfälle nicht bedeute, dass die Bandenkriminalität verschwunden sei.

– Nur weil die Gewalt in einigen Parametern zurückgegangen ist, heißt das nicht, dass die Bandenkriminalität in Schweden ausgerottet ist – leider ist sie weiterhin sehr präsent.

Nach Schätzungen der schwedischen Polizei aus dem November sind derzeit rund 17.500 Menschen in bandenbezogenen kriminellen Milieus aktiv.

Gewalt verändert sich

Obwohl die Zahl der Schusswaffendelikte seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2022 zurückgegangen ist, ist die Mordrate in Schweden laut SVT relativ stabil geblieben. Sausdal sieht darin einen Hinweis auf eine Veränderung der Gewaltformen.

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– Es wird weniger geschossen, aber die Täter sind treffsicherer geworden – man könnte das als eine Form der Professionalisierung der Gewalt bezeichnen.

Er weist darauf hin, dass früher häufig unerfahrene junge Täter Anschläge verübt hätten, nun aber Anzeichen dafür bestünden, dass vermehrt erfahrenere Akteure wiederholt eingesetzt würden.

– Statt dass jede Schießerei von einer neuen Person begangen wird, sehen wir, dass einige der gleichen Personen immer wieder auftauchen – manche von ihnen kann man fast als professionelle „Auftragskiller“ bezeichnen.

Grenzen der Strafverfolgung

Schweden hat in den vergangenen Jahren schärfere Maßnahmen gegen Banden eingeführt, teilweise nach dänischem Vorbild, darunter längere Haftstrafen.

Sausdal warnt jedoch vor zu einfachen Schlussfolgerungen.

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– Viele Konflikte in Bandenmilieus hängen mit internen Dynamiken zusammen, bei denen Auseinandersetzungen entstehen können, die nichts damit zu tun haben, ob die Polizei präsent ist oder nicht.

Bandenbezogene Gewalt bleibe zudem unberechenbar, fügt er hinzu, was es riskant mache, davon auszugehen, dass die Ruhe im Januar von Dauer sein wird.

Quellen: DR News, SVT