Könnte ein Gerät eines Tages Zugang zu Ihren privaten Gedanken erhalten?
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Während sich die Entwicklung von Gehirnchip-Technologien zunehmend in Richtung klinischer Studien am Menschen beschleunigt, warnen Wissenschaftler, dass die ethische Debatte mit dem wissenschaftlichen Fortschritt Schritt halten müsse.
Laut Sky News ist Professor John Donoghue, ein Pionier der Gehirn-Computer-Schnittstellen, der Ansicht, dass die Gesellschaft bereits jetzt darüber nachdenken müsse, wie neuronale Daten geschützt werden – auch wenn echtes „Gedankenlesen“ noch in weiter Ferne liege.
„Das ist ein Grund zur Sorge“, sagte er. „Je mehr wir lernen, desto mehr können wir darüber erfahren, woran jemand denkt. Ethisch gesehen müssen wir uns überlegen, wie wir die Daten eines Individuums schützen.“
Obwohl aktuelle Geräte komplexe Gedanken nicht interpretieren können, hat die Möglichkeit, dass unbeabsichtigte Signale erfasst werden könnten, Fragen zu Privatsphäre und Einwilligung aufgeworfen.
Wie die Technologie funktioniert
Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCIs) basieren auf winzigen Elektrodenarrays, die in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Diese Elektroden erfassen elektrische Signale von Nervenzellen und übertragen sie an einen Prozessor, der die Aktivität in digitale Befehle umwandelt.
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Dadurch kann eine Person etwa einen Cursor bewegen, über einen Computer Sprache erzeugen oder eine robotische Prothese steuern.
Vor mehr als zwei Jahrzehnten zeigte das Team von Prof. Donoghue an der Brown University, dass Gehirnregionen, die für Bewegung zuständig sind, selbst bei Menschen mit schwerer Lähmung weiterhin aktiv bleiben.
„Ich erinnere mich noch lebhaft an den Moment, als wir das System zum allerersten Mal einschalteten“, sagte er. „Würde da überhaupt etwas sein, oder würden alle Neuronen einfach still bleiben? Und als wir es einschalteten, war es voller Aktivität … In diesem Moment wusste ich, dass es funktionieren würde.“
Sein frühes BrainGate-System bewies, dass gezielte Bewegungen mithilfe entschlüsselter Gehirnsignale wiederhergestellt werden können.
Der Weg in die Klinik
Inzwischen verlagert sich das Feld von Erfolgen im Labor hin zur regulatorischen Zulassung. Mehrere Unternehmen – darunter Elon Musks Neuralink – entwickeln implantierbare Systeme, und drei Firmen haben klinische Studien am Menschen begonnen.
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„Wenn man einen Computer steuern oder Sprache wiederherstellen möchte, sehe ich keinen Grund, warum wir das nicht erreichen können, sobald ein zugelassenes Gerät verfügbar ist“, sagte Prof. Donoghue.
Die Zulassung hängt maßgeblich von der Sicherheit ab. Die Geräte müssen über Jahre hinweg funktionieren, ohne Infektionen, Gewebeschäden oder Überhitzung zu verursachen. Selbst geringfügige Temperaturerhöhungen können dem Gehirngewebe schaden.
„Das darf nicht passieren. Das Gehirn toleriert nur ein oder zwei Grad“, sagte er.
Prof. Donoghue ist überzeugt, dass das Fachgebiet einen „Wendepunkt“ erreicht hat, da technologische Fortschritte nun endlich mit dem medizinischen Bedarf übereinstimmen – insbesondere bei Menschen, die vom Hals abwärts gelähmt sind.
Derzeit, so betonen Forscher, gehe es nicht darum, Gedanken zu lesen, sondern verlorene Funktionen wiederherzustellen. Doch mit dem wissenschaftlichen Fortschritt stehen die ethischen Fragen erst am Anfang.
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Quellen: Sky News