In Grönland wächst der Widerstand gegen politische Forderungen aus Washington. Jüngste Aussagen von US-Präsident Donald Trump haben diese Debatte neu entfacht. Nun hat ein Bürger einen Schritt gewählt, der vor allem als Signal verstanden werden soll.
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Der Vorgang ist rechtlich ungewöhnlich und politisch aufgeladen. Er zeigt, wie sensibel das Thema Souveränität auf der arktischen Insel ist.
Politischer Hintergrund
Trump hatte wiederholt erklärt, die USA hätten ein starkes Interesse an Grönland und dabei auch drastische Formulierungen benutzt. Diese Aussagen stießen in Grönland und Dänemark auf breite Ablehnung.
Umfragen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass ein großer Teil der grönländischen Bevölkerung langfristig Unabhängigkeit anstrebt. Ein Anschluss an die USA findet demnach kaum Zustimmung.
Ungewöhnliche Anzeige
Vor diesem Hintergrund reichte Hans Christian Nørgaard, ein 68-jähriger Malermeister aus Nuuk, bei der örtlichen Polizei Strafanzeige gegen den US-Präsidenten ein, wie Focus Online berichtet.
Die Beamten nahmen die Anzeige entgegen, machten aber deutlich, dass ein solcher Vorgang außerhalb der üblichen Praxis liege. Eine Entscheidung oder weitere Schritte seien zunächst offen.
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Beweggründe des Bürgers
Nørgaard erklärte laut Focus Online, es gehe ihm nicht um Wut oder Provokation. Vielmehr wolle er einen formalen, zivilen Weg gehen.
„Mir geht es darum, vorbereitet zu sein. Denn falls Trump sich Grönland tatsächlich gegen den Willen der Einwohner nimmt, dann habe ich ein juristisches Dokument in der Hand, dass ich an die US-Behörden weiterleiten werde“, sagte er demnach.
Sollte Grönland jemals gegen den Willen der Einwohner übernommen werden, wolle er belegen können, dass er frühzeitig rechtliche Schritte eingeleitet habe. Die Anzeige habe daher vor allem vorsorgenden Charakter.
Rechtliche Bedeutung
Solche Anzeigen gelten rechtlich als schwierig umzusetzen, weil nationale Behörden gegenüber ausländischen Staatsoberhäuptern meist keine Zuständigkeit haben.
Darin liegt jedoch die politische Bedeutung des Schritts: Er macht sichtbar, wie ernst viele Grönländer die Äußerungen aus den USA nehmen.
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Zeichen des Widerstands
Nørgaard betont, jeder Grönländer könne ähnlich handeln. Er verweist dabei auch auf historische Vereinbarungen, wonach die USA frühere Souveränitätsansprüche Dänemarks anerkannt hätten.
„Wenn Trump die Welt ändern will, habe ich einen guten Rat für ihn: Er soll zuerst bei sich selbst damit anfangen“, sagte Nørgaard laut Focus Online.
Unabhängig vom juristischen Ausgang verdeutlicht der Fall, wie sehr globale Machtfragen inzwischen bis in lokale Lebenswelten hineinreichen.
Die Anzeige aus Nuuk steht weniger für die Hoffnung auf ein Verfahren als für den Anspruch, politisch gehört zu werden.
Quelle: Focus Online