Startseite Nachrichten Haiti plant erste Präsidentschaftswahl seit zehn Jahren

Haiti plant erste Präsidentschaftswahl seit zehn Jahren

Haiti
Victor De Leon / Shutterstock.com

Wahre Demokratie hängt vollständig von Stabilität und Sicherheit ab. Doch wenn bewaffnete Banden die Kontrolle über ein ganzes Land übernehmen, wird die Organisation einer landesweiten Abstimmung für jede Regierung nahezu unmöglich.

Der Alltag bricht unter der Last unerbittlicher Gewalt und Angst vollständig zusammen, berichtet TV 2 News.

Zutiefst zerrüttet

Fünf Jahre nachdem Attentäter Präsident Jovenel Moïse erschossen haben, versucht Haiti, seine erste Wahl seit einem Jahrzehnt zu organisieren, berichtete der dänische Sender TV 2. Doch bewaffnete Banden kontrollieren derzeit 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince.

Die Gesetzlosigkeit lässt die Wahlpläne für langjährige Beobachter lächerlich erscheinen. Dokumentarfilmer Asger Leth, der jahrzehntelang im Land filmte, ist der Ansicht, das Land sei für eine echte Wahl schlichtweg zu gefährlich.

„Man kann an der Nordküste wählen, vielleicht an der Südküste, aber über die Hälfte des Landes funktioniert nicht, und die Wähler können nicht erscheinen, weil es nicht sicher ist“, erklärte Leth gegenüber TV 2.

Totaler Zusammenbruch

Die grundlegende Infrastruktur in der gesamten karibischen Nation ist zusammengebrochen. Der Hälfte der Bevölkerung fehlt es an Strom, während jeder dritte Einwohner kein sauberes Trinkwasser erhält.

Bandengewalt hat 12 Prozent der Bevölkerung vertrieben. Ein brutales Bandenbündnis namens Viv Ansanm beherrscht die Straßen und verübt Massenentführungen, Vergewaltigungen und illegalen Handel.

Erschreckende Berichte verdeutlichen die Schwere der Krise. Ein Dokument des UN-Sicherheitsrates beschrieb Fälle in Nordhaiti, in denen Krankenhauspatienten mit fehlenden Organen entlassen wurden.

„Das Leben in der Hauptstadt funktioniert nicht. Wie soll man eine Wahl treffen, wenn diejenigen, die normalerweise zur Schule gehen, dies nicht können?“, fragte Leth rhetorisch.

Hilfe von außen

Wahlbeamte setzten die erste Wahlrunde für Dezember an, wobei die Endergebnisse für Anfang 2027 geplant sind. Beamte räumten jedoch ein, dass die Abstimmung ein sichereres Umfeld und erhebliche finanzielle Mittel erfordere.

„Die Organisation dieser Wahlen ist eine gemeinsame Verantwortung. Sie erfordert das Engagement der Regierung, verschiedener Akteure sowie nationaler und internationaler Partner“, erklärte Haitis Provisorischer Wahlrat.

Die Zustände sind so extrem geworden, dass sogar internationale Fluggesellschaften Flüge eingestellt haben, nachdem Banden auf Verkehrsflugzeuge geschossen hatten. Für Leth sind interne Lösungen nicht mehr realistisch.

Leth schlussfolgerte: „Dieses Land wird niemals unter Kontrolle gebracht werden, bis die UN eingreift und die Führung übernimmt.“

Quellen: TV 2, Reuters