Der Präsident legte beim G7-Gipfel einen kontroversen, aber nicht ungewöhnlichen Auftritt hin.
Der G7-Gipfel am Mittwoch erinnerte daran, dass Donald Trump selten am Drehbuch festhält.
Als er neben anderen Staats- und Regierungschefs im französischen Kurort Evian-les-Bains Platz nahm, scherzte der US-Präsident zu den Anwesenden – und zu den anwesenden Reportern –, dass „ich der Boss bin“.
Die Bemerkung erregte Aufmerksamkeit, doch die Diskussionen hinter verschlossenen Türen konzentrierten sich auf weit gewichtigere Angelegenheiten, darunter den Krieg in der Ukraine, die Beziehungen zum Iran und wachsende Bedenken hinsichtlich Chinas Dominanz bei kritischen Mineralien.
Die Ukraine gewinnt beim G7-Gipfel an Boden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj traf beim Gipfel ein, um Unterstützung für eine Botschaft zu suchen, die er seit Monaten vorantreibt: Die Ukraine verliert den Krieg nicht, und Russland sollte nicht erlaubt werden, die Bedingungen einer zukünftigen Friedensregelung zu diktieren.
Laut Reuters gaben die G7-Staats- und Regierungschefs am Ende des Gipfels eine gemeinsame Erklärung zur Unterstützung der Ukraine ab und kündigten zusätzliche Sanktionen gegen Russland an.
Mehrere europäische Staats- und Regierungschefs deuteten an, Trump zeige sich empfänglicher für die Argumente Kiews als in den Vorjahren.
Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte, der amerikanische Staatschef habe einen „echten Kurswechsel“ im Konflikt gezeigt.
Auch Trump selbst wählte eine Sprache, die sich von einigen seiner früheren Äußerungen zum Krieg abhob, indem er Russland als Aggressor bezeichnete und feststellte, dass Moskau schwerere Verluste auf dem Schlachtfeld erleide als die Ukraine.
Iran-Abkommen begrüßt – mit Vorbehalten
Ein weiteres wichtiges Thema war das kürzlich angekündigte Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran.
Die G7-Staats- und Regierungschefs begrüßten das vorläufige Abkommen öffentlich und signalisierten ihre Bereitschaft, dessen Umsetzung zu unterstützen. Hinter den Kulissen blieben europäische Diplomaten jedoch vorsichtig.
Es bestehen weiterhin Bedenken, dass Verhandlungen über Irans Nuklearaktivitäten, sein ballistisches Raketenprogramm und seinen regionalen Einfluss sich als weitaus schwieriger erweisen könnten, als die Sicherung eines Waffenstillstandsrahmens.
Trump machte auch deutlich, dass er das aktuelle Abkommen als Ausgangspunkt und nicht als fertiges Produkt betrachte.
„Wenn es mir nicht gefällt, wenn sie sich nicht benehmen, werden wir direkt wieder Bomben mitten auf ihren Kopf werfen, okay?“, sagte er Reportern.
Europäische Beamte vermieden weitgehend öffentliche Kritik, betonten jedoch privat, dass eine dauerhafte Einigung weit detailliertere Verhandlungen erfordern werde als die bisher abgeschlossenen.
Abhängigkeit von China reduzieren
Wirtschaftliche Sicherheit stand ebenfalls prominent auf der Tagesordnung.
Die Staats- und Regierungschefs einigten sich darauf, die Zusammenarbeit zu verstärken, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von China bei strategisch wichtigen Mineralien zu verringern, die in Verteidigungssystemen, fortschrittlicher Technologie und Infrastruktur für erneuerbare Energien verwendet werden.
Zu den beim Gipfel besprochenen Plänen gehören eine engere Koordinierung der Lagerbestände und eine größere Rolle für die Internationale Energieagentur bei der Überwachung von Lieferketten.
Westliche Regierungen betrachten den Zugang zu kritischen Mineralien zunehmend als nationale Sicherheitsfrage, insbesondere da die Nachfrage in mehreren Industrien weiter steigt.
KI ebenfalls auf der Tagesordnung
Künstliche Intelligenz erhielt erhebliche Aufmerksamkeit während der Diskussionen zwischen politischen Führungskräften und Technologie-Managern.
OpenAI-Mitbegründer Sam Altman und Anthropic-Geschäftsführer Dario Amodei gehörten zu den Teilnehmern der Gespräche über den wachsenden Einfluss von KI-Systemen.
Zu den Themen gehörten Berichten zufolge die Zuverlässigkeit von KI-generierten Informationen, die Rechenschaftspflicht für automatisierte Systeme und die umfassenderen Auswirkungen, die die Technologie auf Wirtschaft und Gesellschaft haben könnte.
Obwohl die Ukraine und der Iran die Schlagzeilen dominierten, hob der Gipfel eine umfassendere Anstrengung unter den westlichen Staats- und Regierungschefs hervor, um Herausforderungen zu bewältigen, die von Schlachtfeldkonflikten über aufkommende Technologien bis hin zu globalen Lieferketten reichen.