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„Ich weigere mich, für Faschisten zu kochen“: Restaurants nach kritik an ICE ins visier geraten

ICE Agents
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Amerikas Gastronomiesektor, der seit Langem von der Arbeit von Einwanderern getragen wird, gerät zunehmend in den Strudel der Einwanderungsdebatte des Landes. Während die Durchsetzungsmaßnahmen zunehmen, sagen einige Geschäftsinhaber, dass ihre Existenzgrundlagen und ihre Mitarbeiter zwischen die Fronten geraten.

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Einwanderer machen laut dem American Immigration Council rund 22 % der Beschäftigten im US-amerikanischen Gastgewerbe aus. In Bundesstaaten wie Kalifornien, New York und Texas liegt ihr Anteil bei über 30 %, was die Branche besonders anfällig für Durchsetzungsmaßnahmen und Abschiebungen macht.

Inhaber und Küchenchefs betonen, dass diese Abhängigkeit nicht zufällig, sondern grundlegend sei. Von Küchenpersonal bis hin zu Managementpositionen seien im Ausland geborene Arbeitskräfte zentral für den täglichen Betrieb, und jede Störung könne sich schnell auf die ohnehin geringen Gewinnmargen auswirken, berichtet The Guardian.

Wachsende Gegenreaktionen

The Guardian berichtet, dass einige Gastronomen, die öffentlich die Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement, ICE) kritisiert haben, rasch Gegenwind erhielten. Sie berichten von koordinierten Ein-Stern-Bewertungen, feindseligen Nachrichten und Boykottdrohungen, nachdem sie sich solidarisch mit Einwanderern gezeigt hatten.

Branchenstudien zeigen, dass negative Online-Bewertungen die Kundenzahl erheblich beeinflussen können und damit die finanziellen Risiken einer öffentlichen Stellungnahme verstärken. Mehrere Inhaber erklärten der Zeitung, dass sich der Reputationsschaden selbst durch eine Handvoll kritischer Bewertungen nur schwer rückgängig machen lasse.

Andere berichten von beleidigenden Anrufen und persönlichen Konfrontationen. Der Online-Gegenwind folge häufig auf Beiträge in sozialen Medien, in denen Spenden an Organisationen zur Unterstützung von Einwanderern angekündigt oder lokale Razzien kritisiert würden.

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Der Standpunkt eines Inhabers

In Chicago erklärte Jason Vincent, Mitinhaber von Pizza Matta, dass monatelange politisch gefärbte Nachrichten eines Kunden in einer Auseinandersetzung in seinem Restaurant gipfelten. Schließlich habe er die betreffende Person des Lokals verwiesen.

„Ich weigere mich, für Faschisten und ihre Unterstützer zu kochen“, sagte Vincent zur Begründung seiner Entscheidung. Zwar gebe es keine allgemeine Regelung, doch würde er Gäste abweisen, die Kleidung mit Pro-ICE- oder Maga-Aufdrucken trügen.

„Ich bin jüdisch aufgewachsen, und mir wurde von klein auf ‚nie wieder‘ beigebracht“, fügte er hinzu. „Was hier geschieht, ist ‚nie wieder‘.“

Vincents Äußerungen spiegeln ein breiteres Dilemma für Geschäftsinhaber wider, die persönliche Überzeugungen äußern möchten und zugleich ihre Beschäftigten und Einnahmen schützen müssen.

Wirtschaftlicher Druck

Über Reputationsrisiken hinaus warnen Branchenvertreter vor tiefergehenden wirtschaftlichen Folgen. Die Entfernung großer Zahlen von Arbeitskräften mit Migrationshintergrund würde ihrer Ansicht nach die Personalstruktur in einer Branche destabilisieren, die bereits mit Inflation und steigenden Kosten zu kämpfen hat.

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Einige Betreiber in Städten, die von Durchsetzungsmaßnahmen betroffen sind, berichten von spürbaren Rückgängen bei der Kundschaft. Die Sorge betreffe, so heißt es, nicht nur politische Fragen, sondern auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Während die Einwanderungspolitik weiterhin die nationale Debatte dominiert, sehen sich Restaurants gezwungen, zwischen Prinzipientreue, dem Schutz ihrer Belegschaft und den praktischen Anforderungen des wirtschaftlichen Überlebens abzuwägen.

Quellen: The Guardian, American Immigration Council.