Die Wagner-Gruppe ist lange Zeit unter dem Radar geblieben – doch nun scheint sie vom Kreml aktiviert worden zu sein.
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Russland passt laut westlichen Geheimdienstvertretern an, wie es verdeckte Operationen in ganz Europa durchführt.
Nach Angaben des Institute for the Study of War (ISW) scheint ein neuer Ansatz darauf zu beruhen, vertraute Netzwerke zu nutzen und zugleich den Kreml von einer direkten Beteiligung zu distanzieren.
Westliche Geheimdienstquellen teilten der Financial Times am 15. Februar mit, dass frühere, mit der Wagner-Gruppe verbundene Anwerber nun dabei helfen, Sabotagemissionen in Europa im Auftrag Moskaus zu organisieren. Die Anwerber hatten zuvor Russen für den Kampf in der Ukraine rekrutiert, sollen ihren Schwerpunkt nun jedoch verlagert haben.
Der FT zufolge nutzt der russische Militärgeheimdienst GRU die bestehenden Rekrutierungskanäle der Wagner-Gruppe in Europa und hält dabei, wie es von Beamten hieß, mindestens zwei Ebenen der Trennung von den Operativen aufrecht. Diese Konstruktion soll eine plausible Abstreitbarkeit wahren.
Von der Zeitung zitierte Quellen erklärten, die Anwerber richteten sich an Europäer, die „wirtschaftlich verwundbar“ seien oder sich orientierungslos fühlten, und ermutigten sie, Brandanschläge zu verüben oder sich als Nazi-Sympathisanten auszugeben, um Instabilität zu verbreiten.
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Veränderte Rekrutierungstaktiken
Die gemeldeten Veränderungen folgen auf frühere Hinweise, wonach Russlands Sabotageaktivitäten in Europa im Jahr 2025 nachgelassen haben sollen. Analysten hatten zuvor vermutet, der Kreml überprüfe seine Strategie.
Im August 2025 berichtete Bloomberg, dass US-amerikanische und europäische Vertreter davon ausgingen, der Rückgang sei teilweise darauf zurückzuführen, dass Moskau versucht habe, die Kontrolle über lokale kriminelle Netzwerke, auf die es sich gestützt hatte, zu straffen. Mehrere Akteure waren festgenommen und strafrechtlich verfolgt worden, was die Rekrutierung erschwerte.
Vertreter gaben zudem an, dass die GRU damals Ressourcen von Operationen in Europa abgezogen habe, um sich auf den Krieg in der Ukraine zu konzentrieren.
Stärkere staatliche Kontrolle
Moskau begann Ende 2022 damit, die Wagner-Gruppe und andere irreguläre Formationen stärker unter staatliche Aufsicht zu stellen. Diese Bemühungen verstärkten sich nach Wagners kurzzeitigem Aufstand im Juni 2023.
ISW weist darauf hin, dass die jüngsten Geheimdiensteinschätzungen darauf hindeuten, dass die GRU nun ehemalige Wagner-Strukturen für Operationen in Europa einsetzen könnte. Dadurch könnten eigene Mitarbeiter und Mittel für den Einsatz in der Ukraine freigesetzt werden.
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Westliche Vertreter warnen, Russland könnte seine Sabotageaktivitäten 2026 erneut ausweiten und dabei möglicherweise unzuverlässige kriminelle Mittelsmänner durch Personen ersetzen, die in erster Linie durch finanzielle Anreize motiviert sind.
Quellen: Financial Times, Bloomberg, Institute for the Study of War (ISW)