Europäische Staats- und Regierungschefs haben sich hinter Dänemark gestellt, da die Sorge wächst, dass Spannungen um Grönland die Nato belasten und langjährige Prinzipien der Souveränität infrage stellen könnten.
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Eine gemeinsame Erklärung mehrerer europäischer Hauptstädte unterstrich die Besorgnis über jüngste Signale aus Washington hinsichtlich der Zukunft des arktischen Territoriums.
Bündnissorgen
Die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Dänemark erklärten, über den Status Grönlands könnten ausschließlich Dänemark und Grönland selbst entscheiden.
„Grönland gehört seinem Volk, und nur Dänemark und Grönland können über Fragen entscheiden, die ihre Beziehungen betreffen“, hieß es in der Erklärung laut BBC.
Die Regierungschefs betonten, dass die Sicherheit in der Arktis gemeinsam von den Nato-Verbündeten gewährleistet werden müsse, und forderten die Achtung von Souveränität, territorialer Integrität und der Unverletzlichkeit der Grenzen gemäß der UN-Charta.
Diplomatischer Druck
Die demonstrative Geschlossenheit folgte auf Warnungen aus Dänemark, wonach jeder Versuch, Grönland zu annektieren, faktisch das Ende des Nato-Bündnisses bedeuten würde.
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US-Außenminister Marco Rubio wird voraussichtlich in der kommenden Woche Gespräche mit dänischen Vertretern führen, während die diplomatischen Bemühungen zunehmen, um die Folgen einzudämmen.
Sowohl Dänemark als auch Grönland haben wiederholt erklärt, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe.
Position Washingtons
Die Debatte wurde neu entfacht, nachdem US-Vizepräsident JD Vance Grönland als „kritisch“ für die globale Raketenabwehr bezeichnet hatte und argumentierte, seine arktische Lage mache es zu einem zentralen Bestandteil von Frühwarnsystemen.
In einem Interview mit Fox News warf Vance Europa und Dänemark vor, zu wenig in die Sicherheit der Insel zu investieren und sich nicht ausreichend mit den Sicherheitsbedenken der USA auseinanderzusetzen.
„Da fragt man sich: Haben die Europäer, haben die Dänen ihre Aufgabe bei der Sicherung Grönlands richtig erfüllt und dafür gesorgt, dass es weiterhin als Anker der weltweiten Sicherheit und Raketenabwehr dienen kann? Und die Antwort ist offensichtlich: nein“, sagte er.
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US-Optionen
Das Weiße Haus bestätigte, dass US-Regierungsvertreter „aktiv“ über ein mögliches Angebot zum Kauf Grönlands, eines teilautonomen dänischen Territoriums, diskutieren, berichtete die BBC.
Die Bestätigung folgte einen Tag nach Äußerungen, wonach auch militärische Maßnahmen zur Annexion der Insel in Betracht gezogen werden könnten – Kommentare, die in Europa scharfe Kritik auslösten.
US-Präsident Donald Trump hatte die Idee eines Kaufs Grönlands bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht, war jedoch zurückgewiesen worden.
Strategischer Hintergrund
Obwohl Grönland nur dünn besiedelt ist, verleiht seine Lage zwischen Nordamerika und der Arktis ihm strategische Bedeutung für die Überwachung von Raketenstarts und Marineaktivitäten.
Die USA betreiben bereits den Militärstützpunkt Pituffik im Nordwesten Grönlands, wo mehr als 100 Angehörige stationiert sind, und behalten sich im Rahmen bestehender Abkommen das Recht vor, zusätzliche Kräfte zu entsenden.
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Das Interesse an Grönland ist zudem wegen seiner Bodenschätze gestiegen, die mit dem Rückgang der Eisbedeckung infolge des Klimawandels zunehmend zugänglich werden.
Quellen: BBC