Die ohnehin bereits angeschlagene russische Bevölkerung wird es offenbar noch schwerer haben, finanziell über die Runden zu kommen.
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Die russische Wirtschaft kämpft weiterhin mit den Folgen des Krieges in der Ukraine, der sich seinem vierten Jahrestag nähert.
Die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf die russische Öl- und Gasinfrastruktur, kombiniert mit einer Vielzahl internationaler Sanktionen, niedrigen Ölpreisen sowie steigenden Ausgaben für Militärproduktion, Leistungen für Kriegsversehrte und Ähnliches, bringen die russische Wirtschaft nach Einschätzung von Analysten bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2026 auf einen Kurs in Richtung Rezession.
Doch das müsse offenbar um jeden Preis verhindert werden – so scheint Putins Denkweise. Laut auf der Website des Kremls veröffentlichten Dokumenten, die von der Moscow Times ausgewertet wurden, fordert der russische Präsident eine massive Steigerung der Steuereinnahmen, um das Wirtschaftswachstum wiederzubeleben.
Und das dürfte wahrscheinlich höhere Steuern für die russische Bevölkerung bedeuten.
Neue Zielvorgaben
Laut Berichten der Moscow Times unter Berufung auf die Kreml-Dokumente hat Wladimir Putin die Regierung angewiesen, bis 2026 eine „signifikante Erhöhung“ der Steuereinnahmen zu erzielen. Der Auftrag geht aus Diskussionen im Rat für strategische Entwicklung und nationale Projekte hervor.
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Aus denselben Unterlagen geht hervor, dass Putin Schritte zur „Weißfärbung der Wirtschaft“ fordert, womit eine Reduzierung informeller und nicht deklarierter wirtschaftlicher Aktivitäten gemeint ist, beginnend in der ersten Hälfte des Jahres 2026. Diese Maßnahmen sollen mit den Bemühungen zur Wiederaufnahme des Wirtschaftswachstums zusammenfallen.
Offizielle Daten unterstreichen die Herausforderung. Das Wirtschaftsministerium berichtete, dass das Bruttoinlandsprodukt im November im Jahresvergleich nur um 0,1 % wuchs, während die Industrieproduktion um 0,7 % zurückging und damit den Sektor in eine Rezession führte.
Inflation und Kontrolle
Der Präsident forderte zudem Fortschritte bei der Inflation mit einem Zielwert von 4 bis 5 %, im Einklang mit der Prognose der Zentralbank. Die Aufsicht über das Programm wurde Premierminister Michail Mischustin, Zentralbankchefin Elwira Nabiullina sowie hochrangigen Regionalvertretern übertragen.
Sie sind verpflichtet, bis zum 1. Juni 2026 einen detaillierten Bericht vorzulegen, in dem dargelegt wird, wie die Zielvorgaben erreicht und das Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig verschärfter Haushaltsdisziplin unterstützt werden sollen.
Wie die Einnahmen steigen sollen
Nach dem russischen Haushaltsgesetz muss der föderale Staatsschatz in diesem Jahr zusätzliche 3,2 Billionen Rubel an Steuern einnehmen, wodurch sich die Gesamteinnahmen auf 40,28 Billionen Rubel erhöhen.
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Das Finanzministerium rechnet damit, dass 1,2 Billionen Rubel aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 22 % stammen werden – dem höchsten Satz seit 1992. Weitere 200 Milliarden Rubel werden aus Änderungen am vereinfachten Steuersystem für kleine Unternehmen erwartet, das die Umsatzschwelle für eine Mehrwertsteuerbefreiung senkt.
Eine neue „Technologiesteuer“ auf Technologie und Elektronik soll am 1. September in Kraft treten. Die Behörden rechnen innerhalb von drei Jahren mit Einnahmen von 200 Milliarden Rubel.
Schließung des Defizits
Nach Angaben des Finanzministeriums sollen diese Maßnahmen dazu beitragen, das Haushaltsdefizit zu verringern. Das Defizit erreichte in diesem Jahr 5,7 Billionen Rubel und lag damit etwa fünfmal höher als ursprünglich geplant.
Im kommenden Jahr erwartet das Ministerium, dass sich die „Lücke“ auf 3,8 Billionen Rubel oder rund 1,6 % des BIP verringert, was den Druck auf die Staatsfinanzen mindern würde.
Quellen: Website des Kremls, The Moscow Times, Auslandsgeheimdienst der Ukraine