Eine Analyse der Financial Times argumentiert, dass Russlands langwieriger Krieg in der Ukraine den Druck auf Wladimir Putin erhöht. Experten zufolge würde eine ernsthafte Herausforderung seiner Herrschaft jedoch eher aus der russischen Elite als aus der öffentlichen Opposition hervorgehen.
Russlands Krieg in der Ukraine ist in sein fünftes Jahr eingetreten, ohne dass ein entscheidender Durchbruch in Sicht wäre, während sich Anzeichen von Belastungen innerhalb des Landes zunehmend bemerkbar machen.
Laut Digi24, das sich auf einen Kommentar des Financial Times-Kolumnisten Gideon Rachman beruft, wirft der langwierige Konflikt neue Fragen über Wladimir Putins langfristige politische Zukunft auf.
Der Krieg erreicht Moskau
Laut Financial Times verdeutlichte die verkleinerte Siegesparade in Moskau in diesem Jahr die wachsenden Sicherheitsprobleme innerhalb Russlands.
Der Kreml habe Berichten zufolge darauf verzichtet, große Mengen an Panzern und schwerem Militärgerät zu präsentieren, aus Sorge vor ukrainischen Drohnenangriffen.
Gleichzeitig sind Flughafenschließungen, Störungen des mobilen Internets und Angriffe auf militärbezogene Ziele in und um die russische Hauptstadt häufiger geworden.
Steigende Kraftstoffpreise infolge von Angriffen auf die russische Ölinfrastruktur haben die innenpolitischen Auswirkungen des Krieges zusätzlich verstärkt.
Wachsende Kosten
Laut Financial Times schätzte die Leiterin des britischen Nachrichtendienstes GCHQ, Anne Keast-Butler, kürzlich, dass nahezu 500.000 russische Soldaten im Verlauf des Konflikts getötet wurden, während viele weitere verwundet wurden.
Der Krieg dauert inzwischen länger als der Kampf der Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.
Trotz jahrelanger Kämpfe hat Russland mehrere seiner wichtigsten Ziele bislang nicht erreicht, darunter die vollständige Kontrolle über die Donbass-Region.
Der Bericht argumentiert, dass das Ausbleiben eines klaren Sieges zu wachsender Unruhe innerhalb von Teilen der russischen Elite beiträgt.
Historische Warnungen
Laut Digi24 weist die Financial Times darauf hin, dass militärische Rückschläge in der russischen Geschichte häufig größeren politischen Umbrüchen vorausgingen.
Die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg trug zu den Unruhen von 1905 bei, während die Misserfolge im Ersten Weltkrieg den Weg für die Russische Revolution ebneten.
Auch der Krieg der Sowjetunion in Afghanistan gilt als einer der Faktoren, die mit ihrem späteren Zusammenbruch in Verbindung gebracht werden.
Diese historischen Beispiele haben Spekulationen darüber ausgelöst, ob anhaltende Schwierigkeiten in der Ukraine Putins Position langfristig schwächen könnten.
Spannungen innerhalb der Elite
Laut Financial Times würde die realistischste Bedrohung für Putin wahrscheinlich von Spaltungen innerhalb der russischen Führungselite und nicht von öffentlichen Protesten ausgehen.
Die bislang größte Herausforderung für seine Herrschaft ereignete sich 2023 während des kurzlebigen Aufstands der Wagner-Gruppe unter der Führung von Jewgeni Prigoschin.
Seitdem hat Putin die Kontrolle über Russlands Sicherheitsstrukturen und das militärische Establishment weiter gefestigt.
Von der Zeitung zitierte Experten argumentieren, dass zwar hinter den Kulissen Unzufriedenheit bestehen könne, das System des Kremls jedoch weiterhin stark von loyalen Akteuren abhänge, deren Interessen eng mit der aktuellen Führung verbunden seien, berichtet Digi24.
Quellen: Digi24, Financial Times