Deutschland genehmigt Atomabkommen mit Putin-Bezug, während Kritiker vor Sicherheitsrisiken warnen.
Deutschland hat eine umstrittene Erweiterung der Kernbrennstoffproduktion genehmigt, die auf russische Technologie angewiesen sein wird, trotz Warnungen vor Spionage, Sabotage und Moskaus Einfluss auf kritische europäische Infrastruktur.
Laut Onet hat Advanced Nuclear Fuels, bekannt als ANF, die Genehmigung erhalten, sechseckige Brennelemente russischer Bauart in seiner Anlage in Lingen, Niedersachsen, herzustellen. Die Produktion wird Lizenzen und technisches Know-how nutzen, die mit Rosatom verbunden sind, dem russischen staatlichen Atomkonzern, der direkt Präsident Wladimir Putin unterstellt ist.
Die Bundesbehörden kamen nach einer offiziellen Bewertung zu dem Schluss, dass die Sicherheitsrisiken beherrschbar seien. Niedersachsen fehlten daher die rechtlichen Grundlagen, um den Antrag abzulehnen, obwohl führende regionale Beamte der Regelung offen ablehnend gegenüberstehen.
Russische Technologie in deutscher Atomproduktion
ANF beabsichtigt, Brennelemente für russische Kernreaktoren herzustellen. Die Zusammenarbeit mit Rosatom wird den Zugang zu den für den Herstellungsprozess erforderlichen Lizenzen und Technologien ermöglichen.
Rosatoms politische und militärische Verbindungen haben die Entscheidung besonders sensibel gemacht. Kritiker argumentieren, dass die Zulassung russischer staatlich verbundener Technologie in einer deutschen Atomanlage Möglichkeiten für Informationsbeschaffung oder Einmischung schaffen könnte.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer hat das Projekt wiederholt infrage gestellt und die Einschätzung der Bundesregierung bezweifelt.
„Ich habe immer gesagt, dass ich Geschäftsbeziehungen und eine enge Zusammenarbeit mit Putins Atomkonzern für grundsätzlich falsch halte“, sagte Meyer.
„Auch die Ukraine hat vor einer Zusammenarbeit mit Rosatom gewarnt, insbesondere weil das Unternehmen Putin direkt unterstellt, an militärischen Operationen beteiligt und schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt wird.“
Minister stellt bundesweite Sicherheitsbewertung infrage
Die deutschen Sicherheitsdienste haben seit Russlands Invasion in der Ukraine wiederholt vor hybriden Bedrohungen gewarnt, die auf kritische Infrastruktur abzielen. Meyer sagte, diese Warnungen seien schwer mit der Entscheidung zur Genehmigung des Lingen-Projekts in Einklang zu bringen.
„Persönlich kann ich die aktuelle Sicherheitsbewertung der Bundesregierung nicht nachvollziehen, insbesondere angesichts der eindringlichen Warnungen der Sicherheitsdienste vor hybriden Bedrohungen, gerade wenn es um kritische Infrastruktur geht“, sagte er.
Bundesinspektoren stufen die Bedrohung dennoch als moderat ein. Ihre Schlussfolgerung ließ der Landesregierung keine rechtliche Grundlage, die Genehmigung zu blockieren.
Die Genehmigung wurde ohne Ablaufdatum erteilt, wobei das Unternehmen jedoch umfangreiche Sicherheitsauflagen erfüllen muss.
Russischem Personal wird uneingeschränkter Zugang verwehrt
Mitarbeitern russischer Atomunternehmen wird kein uneingeschränkter Zutritt zum ANF-Standort gestattet. Jeder genehmigte Besuch muss unter Aufsicht von Aufsichtspersonal stattfinden.
Maschinen, die unter russischen Lizenzen betrieben werden, unterliegen externen Inspektionen, um deren technische Sicherheit zu überprüfen. Uranhaltiges Material russischen Ursprungs muss ebenfalls auf Anzeichen von Einmischung oder Manipulation überwacht werden.
Die Behörden haben die Beschränkungen als Schutzmaßnahmen gegen ausländischen Einfluss dargestellt, während die Produktion fortgesetzt werden kann. Kritiker bleiben besorgt, dass vertragliche und technologische Abhängigkeit Rosatom immer noch indirekten Einfluss auf die Betriebsabläufe innerhalb der deutschen Atomindustrie verschaffen könnte.
Rosatom bleibt tief mit dem Kreml verbunden
Rosatom nimmt eine zentrale Stellung in Russlands Staatsstruktur ein und überwacht zivile nukleare Aktivitäten sowie Projekte, die mit dem Militärsektor des Landes verbunden sind.
Westliche Sanktionen haben seit Kriegsbeginn in der Ukraine zahlreiche russische Industrien ins Visier genommen, doch die Zusammenarbeit im Bereich der Nukleartechnologie hat sich als schwieriger zu lösen erwiesen. Mehrere europäische Länder betreiben immer noch Reaktoren russischer Bauart und sind auf kompatible Brennstofflieferungen angewiesen.
Die Genehmigung für die Anlage in Lingen bedeutet, dass die deutschen Behörden nun versuchen werden, diese industrielle Nachfrage mit strengeren Kontrollen in Einklang zu bringen, die darauf abzielen, die Risiken zu begrenzen, die mit einem Unternehmen unter Putins direkter Autorität verbunden sind.