Wenn die Bevölkerungszahlen stark sinken, greifen Regierungen zu ungewöhnlichen Taktiken.
In ganz Russland hat der unerbittliche demografische Druck staatliche Beamte dazu veranlasst, die gewöhnliche medizinische Versorgung und Sozialleistungen zu überdenken. Nun geht eine neue Gesetzgebung mit staatlicher Unterstützung in eine überraschende Richtung, wie United24Media berichtet.
Kinder nach Verlust
Russische Gesetzgeber greifen auf staatlich finanzierte Fruchtbarkeitsbehandlungen zurück, um einer schrumpfenden Bevölkerung und hohen Kampfverlusten entgegenzuwirken. Berichten der Moscow Times zufolge verabschiedete die russische Staatsduma einen Gesetzentwurf, der Frauen, deren Ehemänner im Kampf in der Ukraine starben oder später ihren Kampfwunden erlagen, kostenlose künstliche Befruchtung und In-vitro-Fertilisation anbietet.
Die Regierung wird diese reproduktiven Verfahren im Rahmen ihres staatlichen medizinischen Garantieprogramms finanzieren. Leihmutterschaft bleibt jedoch strikt ausgeschlossen. Um die Leistung in Anspruch nehmen zu können, müssen Witwen unverheiratet bleiben und sich innerhalb von fünf Jahren nach dem Tod ihres Ehepartners bewerben.
Es gibt auch eine strenge rechtliche Hürde. Bevor der Soldat in den aktiven Kampf zog, musste er eine notariell beglaubigte Einverständniserklärung unterschrieben haben, die die Lagerung und zukünftige Verwendung seines biologischen Materials genehmigt. Ohne diese schriftliche Genehmigung können hinterbliebene Ehefrauen das medizinische Programm nicht in Anspruch nehmen.
Das russische Gesundheitsministerium entwirft derzeit die genauen Durchführungsbestimmungen für regionale Kliniken. Wie United24Media berichtete, spiegelt diese Initiative die wachsende Dringlichkeit des Kremls wider, die steigenden Verluste auf dem Schlachtfeld auszugleichen und gleichzeitig einen historischen Rückgang der nationalen Geburtenraten zu bekämpfen.
Kostenlose Studienplätze
Kostenlose Fruchtbarkeitsbehandlungen sind Teil einer umfassenderen Initiative, um hinterbliebenen Militärehepartnern soziale Vergünstigungen anzubieten. Russische Behörden hatten zuvor eine Gesetzgebung eingeführt, die Kriegswitwen den gebührenfreien Zugang zu staatlichen Universitäten ohne standardmäßige Aufnahmeprüfungen gewährt, vorausgesetzt, sie bleiben unverheiratet.
Dies ist ein erheblicher Vorteil. Spezielle Universitätsquoten reservieren nun Studienplätze gezielt für die hinterbliebenen Ehepartner gefallener Militärangehöriger, Sicherheitsbeamter und anderer offizieller Kombattanten. Begünstigte können sich auch kostenlos für vorbereitende Kurse an Bundesuniversitäten einschreiben.
Gleichzeitig kürzt Moskau den allgemeinen akademischen Zugang, um diese militärischen Privilegien zu finanzieren. Das ukrainische Zentrum für die Bekämpfung von Desinformation berichtete, dass russische Beamte etwa 47.000 gebührenpflichtige Studienplätze in Fächern wie Jura, Wirtschaft, Management und Psychologie gestrichen haben, während die allgemeinen Universitätsgebühren zwischen 10 und 30 Prozent stiegen.
Quellen: United24Media, The Moscow Times, Center for Countering Disinformation