Der Leitzins ist von 21 % im März 2025 auf 14,5 % gesunken.
Mehr als vier Jahre Krieg, eine Flut von Sanktionen und eine Vielzahl weiterer Herausforderungen – all dem sah sich die russische Wirtschaft seit der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 gegenüber.
Doch während der Westen darauf setzte, dass die Sanktionen Putins Wirtschaft lahmlegen und ihm die Fortsetzung des Krieges unmöglich machen würden, ist Russland Stand April 2026 nicht bankrottgegangen.
Da der Kreml jedoch den Zustand der russischen Wirtschaft geheim hält, bleibt eine Frage unter Experten und Analysten bestehen:
Wie geht es der russischen Wirtschaft tatsächlich?
Achte Zinssenkung in einem Jahr
Das Institute for the Study of War (ISW) stellte fest, dass die russische Zentralbank am 24. April mitgeteilt habe, sie habe ihren Leitzins von 15 Prozent auf 14,5 Prozent gesenkt – die dritte Senkung im Jahr 2026 und die achte in den letzten 12 Monaten.
Frühere Senkungen seien laut offiziellen Erklärungen am 13. Februar und am 20. März bekannt gegeben worden.
Zentralbankgouverneurin Elvira Nabiullina erklärte, die Institution habe ihre prognostizierte durchschnittliche Leitzinsspanne für 2026 auf 14–14,5 Prozent angehoben, wobei sie auf steigende Inflationsrisiken im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und mögliche fiskalpolitische Änderungen verwies.
Die Bank habe auch ihre mittelfristige Ölpreisprognose von 45 US-Dollar auf 65 US-Dollar pro Barrel nach oben korrigiert, was die im März und April beobachteten globalen Preisanstiege widerspiegele.
Gemischte Signale aus dem Kreml
Das ISW stellt fest, dass die russischen Behörden weiterhin behaupten, die Arbeitslosigkeit verharre auf historisch niedrigen Niveaus und die Löhne stiegen schneller als die Produktivität.
Doch trotz offizieller Beteuerungen deuten Beweise laut ISW auf eine wachsende wirtschaftliche Belastung hin, die mit hohen Kriegsausgaben verbunden ist.
Eine niedrige Arbeitslosigkeit wird weithin als Ausdruck von Arbeitskräftemangel angesehen, der wiederum die Löhne in die Höhe treibt und den Inflationsdruck in allen Sektoren verstärkt.
Berichte deuten auch darauf hin, dass die Verbraucherpreise, insbesondere für Lebensmittel, schneller gestiegen sind, als offizielle Zahlen vermuten lassen.
Gleichzeitig hat Russland seine Kreditaufnahme erhöht und Finanzreserven abgebaut, um seinen Krieg in der Ukraine zu finanzieren, was Bedenken hinsichtlich der langfristigen Nachhaltigkeit aufwirft.
Anzeichen der Belastung vertiefen sich
Laut der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti stiegen die geplanten Entlassungen seit Juni 2025 um 43 Prozent und erreichten bis zum 1. April über 105.000.
Der Auslandsgeheimdienst der Ukraine berichtete, dass Russlands Haushaltsdefizit im ersten Quartal 2026 4,6 Billionen Rubel erreicht habe und damit das Ganzjahresziel des Landes überschritten habe.
Das ISW stellt fest, dass die russische Regierung auch auf Staatsfonds zurückgegriffen, Goldreserven verkauft und die Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn von 20 auf 22 Prozent erhöht habe, wodurch ein größerer Teil der finanziellen Last auf die Bürger verlagert werde.
Quellen: Reuters, Vedomosti, SZRU, Institute for the Study of War, US Federal Reserve, International Monetary Fund