Der tagelange Stromausfall im Südwesten Berlins hat den Alltag vieler Menschen empfindlich gestört. Neben Reparaturen und Hilfsmaßnahmen stellt sich erneut eine Frage, die Sicherheitsbehörden seit Jahren begleitet.
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Zehntausende Haushalte waren ohne Strom, Heizung und Licht. Schulen und Kitas blieben geschlossen, Pflegeeinrichtungen und Kliniken mussten auf Notversorgung umstellen. Der Wintereinbruch machte die Lage zusätzlich angespannt.
Der Vorfall löste zugleich eine politische Debatte aus. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von Terrorismus und kündigte an, den Schutz der Stromversorgung überprüfen zu lassen, wie die Deutsch Welle (DW) berichtet.
Offene Ermittlungen
Wer den Brand an einer Kabelbrücke am Teltowkanal gelegt hat, ist offiziell noch nicht geklärt.
Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gilt eine linksextremistische Motivation als „naheliegend“, die Authentizität eines Bekennerschreibens sei jedoch noch nicht abschließend bewertet, wie die Tagesschau berichtet.
Die Berliner Innenverwaltung geht dagegen von einem echten Schreiben aus. Das Bundesamt für Verfassungsschutz prüft den Vorgang, während der Generalbundesanwalt die Ermittlungen bislang nicht übernommen hat.
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Bekannter Hintergrund
Nach Darstellung des Verfassungsschutzes tauchen sogenannte Vulkangruppen seit 2011 immer wieder im Zusammenhang mit Brandanschlägen in Berlin und Brandenburg auf, wie die Tagesschau berichtet.
Sie werden dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum des Linksextremismus zugerechnet.
Nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz liegt das weniger an der Größe der Szene als an ihrer Arbeitsweise. Trotz jahrelanger Beobachtung seien Personen und Strukturen kaum bekannt, da die Täter dezentral agierten und anonym kommunizierten.
Muster statt Namen
Die Bekennerschreiben gelten Ermittlern als wichtigster Anhaltspunkt. Laut Verfassungsschutz ähneln sich Texte in Sprache und Argumentation über viele Jahre hinweg, wie ZDFheute berichtet. Das deutet auf einen stabilen Kern hin, auch wenn sich Namen und Bezeichnungen ändern.
Statt einer festen Organisation gehen die Behörden eher von einem lose vernetzten Täterkreis aus, der immer wieder neue Gruppenbezeichnungen nutzt.
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Taten mit Wirkung
Zu den bekannten Aktionen zählen mehrere Anschläge mit erheblichem Schaden für Infrastruktur und Wirtschaft.
Darunter waren Brände an Kabelanlagen, Strommasten und Versorgungseinrichtungen, teils mit bundesweiter Aufmerksamkeit, etwa im Umfeld der Tesla-Fabrik in Brandenburg, wie die Tagesschau berichtet.
Ein Brandanschlag in Berlin-Dahlem im Mai 2025 wurde ebenfalls der Szene zugerechnet. Wie die Tagesschau berichtet hieß es in dem Bekennerschreiben: „Villenviertel lahmlegen. (…) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.“
Warum das zählt
Wie die Deutsche Welle berichtet, gelten solche Sabotageakte als besonders gefährlich, weil sie unbeteiligte Menschen treffen können.
Stromausfälle gefährden medizinische Versorgung und öffentliche Sicherheit. Genau deshalb bleibt der Täterkreis trotz geringer Erkenntnisse ein zentrales Thema für Sicherheitsbehörden.
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Quellen: DW, Tagesschau, ZDFheute